1 Papst, 3 Billionen Dollar und reichlich leere Worte

Letzte Woche war Franziskus in New York zu Besuch bei den Vereinten Nationen. Vorher hatte er in Kuba die Versöhnung mit den USA vorangebracht und dann auch noch in Washington vor dem Kongress gesprochen. Dort erklärte er den Profitprofis, dass Umweltzerstörung pfui ist und Turbokapitalismus bäh. Alle Abgeordneten applaudierten ebenso brav wie verlogen, denn insbesondere für die konservativen Republikaner zählt nur das Geld.

Bei der Vollversammlung der UN wurde dann die Agenda 2030 beschlossen, und ab sofort wird alles gut auf diesem Planeten. Versprochen! Hunger und Armut gibt es bald nicht mehr, jeder hat Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen, Frauen sind gleichberechtigt und alle Kinder gehen zur Schule. Übrigens, vom Weihnachtsmann und dem Osterhasen steht nichts in der Agenda. Wer sich für den Inhalt interessiert und außerdem ein kitschiges Video mit etlichen Film- und Popstars sehen will – alle werben für die Global Goals – kann diesen Link anklicken http://www.welt.de/politik/ausland/article146885469/Die-17-UN-Ziele-fuer-eine-bessere-Welt-kurz-erklaert.html

Nein, ich will die Beschlüsse nicht schlecht machen, glaube aber nicht an den angeblichen guten Willen hinter all den warmen Worten. Und vor allem nicht an die Zahlungsmoral der UN-Mitglieder, die in den nächsten 15 Jahren drei Billionen Dollar aufbringen sollen. 3 Billionen – das sind 200 Milliarden jährlich. (Fette Zahl, die Billion, wurde in den Medien bisher kaum verwandt. An Millionen und Milliarden hat man sich gewöhnt, ob Otto Normalverbraucher sich aber eine Billion vorstellen kann?) Solch ein Betrag ist völlig unglaubwürdig angesichts der Tatsache, dass die Vereinten Nationen schon heute nicht annähernd genug Geld bekommen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Aus Geldmangel wurden z.B. in vielen UN-Camps rund um Syrien die Lebensmittelrationen soweit gekürzt, dass die Menschen dort nicht mehr satt werden. Nicht zuletzt deshalb kommen so viele Flüchtlinge nach Europa. Die meisten Staatenlenker versprechen viel und halten wenig – leider auch der UN gegenüber.

Die Agenda wurde jedenfalls mit großem Pomp und einstimmig verabschiedet. 193 Jugendliche hielten 193 Laternen hoch für die 193 Mitgliedsländer. Man klopfte sich auf die Schultern, denn der Hunger hat sich global halbiert, seit vor 15 Jahren die Millenniumsziele formuliert wurden. Angeblich. Wenn man geschickt rechnet und das Ergebnis schlau verkauft. Damals gab es etwas mehr als 1 Milliarde Hungernde, heute sind es noch 820 Millionen. Inzwischen ist aber die Gesamtbevölkerung deutlich angestiegen, insofern hungern heute nur noch ungefähr 12 % aller Menschen, damals waren es gut 20 %. In Prozenten hungern tatsächlich nur noch etwa halb so viele Menschen, in absoluten Zahlen ist es aber höchstens ein Viertel weniger.

Zahlentrickserei auch bei den Entwicklungshilfeausgaben. 1970 verpflichteten sich die 20 größten Geberländer, zukünftig jährlich 0,7 % ihres Bruttosozialproduktes zur Linderung von Not und Armut auszugeben. Angela Merkel betonte jetzt auch in New York wieder, dass die deutsche Regierung zu dieser Verpflichtung stehe. Das ist natürlich Quatsch. Im Durchschnitt zahlten die reichen Industrienationen im letzten Jahr 0,29 % ihres BIP, Deutschland liegt seit Jahren bei ungefähr 0,4 %, und Schlusslicht USA gab noch nicht mal 0,2 % des BIP für Entwicklungshilfe aus (knapp 32 Milliarden, für Kriege und Rüstung hatte man rund 600 Milliarden übrig). Mehr dazu hier http://www.crp-infotec.de/04entw/hilfe/entwhilfeglobal.html

Wer wirklich darauf vertraut, dass die hehren Agenda-Ziele bis 2030 erreicht werden, glaubt wahrscheinlich auch an das fliegende Spaghettimonster. Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Kriege, Umweltzerstörung, Landgrabbing, Flüchtlingsströme – man muss schon sehr optimistisch sein, um zu glauben, dass Not und Elend auf diesem Planeten in Zukunft weniger werden. Aber vielleicht geschehen ja ein gutes Dutzend Wunder, denn eins allein wird leider nicht ausreichen. Ein Hoffnungsträger ist auf jeden Fall dieser Papst Franziskus. Seine Einstellung zu Verhütung und Homo-Ehe sollte er noch mal überdenken, aber ansonsten macht er einen erstaunlich guten Job. Und dass ich öffentlich einen Papst lobe, ist an sich schon ein kleines Wunder.

UN-Agenda 2030