2016 – Eine Blaupause für echten Wandel

2008 war ein historisches Jahr: In den USA wurde der erste afro-amerikanische Präsident überhaupt gewählt. Barack Obama begeisterte die ganze Welt mit einem simplen Motto: „Change“. Er personifizierte den globalen Wunsch nach sozialem Wandel, für eine gerechtere Welt. Hat er das geschafft? Ein ausgewogenes Urteil wird wohl erst mit einigem Abstand gefällt werden können, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Obama auch enttäuscht hat.

Was hat das Ganze mit 2016 zu tun? Es ist eine Binsenweisheit, die aber immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden muss: Es ist einfacher (und populärer), zu zerstören, als aufzubauen, und es ist einfacher, zu kritisieren, als zu erschaffen. Obama hat versucht, positiven sozialen Wandel herbeizurufen, mit Obamacare, mit der Öffnung zu Kuba, mit einem liberalen Kurs zu LGBTQ-Themen. Die beiden politischen Ereignisse von 2016 – Trump und das Brexit – andererseits stehen in ihrer Natur der Idee eines sozial verantwortlichen Gesellschaftsmodells negativ gegenüber: tendenziell fremdenfeindlich, tendenziell isolationistisch, Anti-EU, Anti-UN.

Insofern müssen wir die Ereignisse von 2016 als Chance zum Wandel begreifen, denn jetzt wissen wir, worum es zu kämpfen gilt: Für eine EU als verantwortungsvoller Staatenverbund, für die Freiheit von Lebensentwürfen und Religionen, für eine Welt, in der die Reicheren (ja, wir) Verantwortung übernehmen sollten für diejenigen, die in Not sind.

2016 ist eine Chance, weil wir (hoffentlich) nie wieder populistische Schreierei überheblich abtun werden. Sowohl dem Brexit als auch Trump wurden noch kurz vor den Abstimmungen wenig Chancen eingeräumt. Lasst uns diesen Fehler bei der diesjährigen Bundestagswahl mit der AfD nicht wiederholen. Das bedeutet leider viel Aufwand: Populistische Positionen müssen nüchtern widerlegt werden, Menschen zur demokratischen Partizipation animiert werden. Ohne das geht es nicht.

2016 ist auch vielleicht ein Grund, unser „Wir“ zu überdenken und gegen eine weitere Polarisierung der Politik zu arbeiten. Abgesehen vom harten rassistischen Kern handeln die meisten Menschen auf Grundlage ihrer Erfahrungen. Viele fühlen sich abgehängt, vergessen, benachteiligt. Manche sind es tatsächlich. Das hat viele Ursachen. Die Politik ist nicht immer schuld, aber es liegt in ihrer Verantwortung, dem entgegenzuwirken.

Insofern sollten wir versuchen, 2016 nicht als Katastrophe zu sehen, denn die tatsächliche wird noch kommen für diejenigen Menschen, die ihre Hoffnungen in populistische Politik gelegt haben: Sowohl das Brexit als auch Trumps Präsidentschaft haben das Potential, mit ihrem destruktiven Aktionismus viele gesellschaftliche und auch ökonomische Errungenschaften zunichte zu machen. Echter gesellschaftlicher Wandel aber muss hart erkämpft werden, und indem wir uns gegen Populismus und Chauvinismus stellen, werden die Ziele klarer werden. Also: An die Arbeit!

Das hat 2016 uns gebracht