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An American Werewolf In London

Okay, ich weile gerade wieder in meinem geliebten Waschsalon..., und angestachelt vom Lieblingsfilm-Wettbewerb und der in mir allmählich erwachenden Herbststimmung, da habe ich mir gedacht noch die anderen beiden Machwerke zu würdigen, die einst mit mir so formidabel Schlitten fuhren. Ich befinde mich heute sagen wir in einer haarigen Gemütslage, ja beinahe schon pelzigen (muss morgen vielleicht arbeiten, obwohl mein Urlaub noch bis Dienstag geht), und damit liegt es irgendwie nahe, als nächstes dem amerikanischen Wolfsmann meine Aufmerksamkeit zu widmen, den es mit seinem Kumpel in die Gegend von London verschlug.

Dies soll jedoch abermals kein Review werden. Dazu ist mein Gehirn nicht gemacht. Vielmehr will ich einmal mehr den Flurschaden betrachten, den er hinterließ.

Traumatisiert, wie Bavas Erstlingswerk, hat mich "AAWIL" jetzt nicht. Das mag in erster Linie damit zusammenhängen, dass ich ihn zunächst eine ganze Weile gar nicht zu sehen bekam. Auch so ein süßes Gift: Der Film, den man geraume Zeit nur vom Hörensagen her kennt. Das kam oft vor. Ein Videorekorder befand sich noch nicht in unserem Besitz und häufig war ich noch zu jung für die meisten von mir so sehr herbeigesehnten Werke. In der Regel aus der Welt des Horrors versteht sich. Also zehrte ich oft lange nur von dem, was mir Glücklichere zu bericheten hatten. So auch im Fall von Landis' meiner Meinung nach schönstem Film.

Im Sommer pflegten wir in unseren Vorgärten zu zelten. Diesesmal stand das Zelt in unserem Garten und ich schlug mir die Nacht mit meinem Schulkameraden Andy um die Ohren. Ich war wohl so elf Jahre alt damals. Andy hatte einem medialen Wunder beigewohnt, das ich leider verpasst hatte. In der legendären Samstagabendshow "Auf Los Geht's Los" sei ein unfassbarer Ausschnitt aus einem Werwolffilm gezeigt worden. Werwölfe kannte ich bis dahin lediglich aus Comics. Ein Mensch habe sich vor laufender Kamera quasi in echt und en Détail in einen Wolfsmann verwandelt...!

Mich traf ein Blitz. Der Blitz der nerdigen Erweckung. Ich stand in Flammen. Ein großer voller Mond ging auf in meinem jungen Gemüt, fortan war ich schwer besessen vom Lykanthropen! Und wer nicht teilhaben darf, der muss substituieren.

Also fing ich an, mir fortan meinen eigenen Werwolf zu bauen. Indem ich endlos tagträumte. Mir Daumenkinos mit Metamorphosen malte. Die Geschichte des amerikanischen Werwolfs als Hörspiel produzierte. In meinem Zimmer. Mit mir in allen Sprechrollen! Eckdaten dazu lieferten mir Aushangfotos der Kinos, vor denen ich gerne lange herumlungerte, das was andere mir erzählten (oder weismachten) und die Bravo. Übrigens, liebe Eltern! Solltet ihr bemerken, dass eure Kinder kreative Amokläufe begehen, nehmt ihnen ihre Werke beizeiten weg, packt alles in die feuerfeste Truhe im Keller und überreicht den Schatz dann feierlich, wenn der Balg seinen 18ten feiert! Nur mal so als Tipp. Ich besitze nichts mehr, würde mir aber glatt ein Bein absägen, um irgendetwas davon wieder in die Finger zu kriegen.

Auch hier musste ich einige Jahre warten, bis sich der Vater eines anderen Klassenkameraden erbarmte und den modernen Klassiker (oder zählt der nun auch schon zu den alten?) für uns aus einer Videothek (das ist sowas wie Netflix, nur mit Pornos) mitbrachte. Ich weiß noch, dass wir bis zum frühen Abend warten mussten, weil Roberts Vater erst mal keine Zeit hatte und er den Film mitgucken wollte. Ich kann mich nach wie vor an das mulmige Gefühl erinnern, das sich unter die gigantische Euphorie mischte, dieses Werk endlich endlich zu sehen, nach all den Jahren des Fantasierens. Würde er dem monströsen Anspruch, den ich mittlerweile entwickelt hatte, gerecht werden...?

Er tat es. Er war anders. Er war sogar besser.

"AAWIL" ist ein außergewöhnlicher Horrorfilm. Zum Einen ist da sein Soundtrack (u.a. Creedence Clearwater Revival), ein Gemisch aus klassischem Filmscore und Oldies. Dann die höchst gelungene Verquickung von melodramatischem Horror und schrulligem Humor, die kaum woanders meiner Meinung nach so gut funktioniert. Die Werwolf-Metamorphose, ohne ein Bit Computertricks wohlgemerkt, ist auch heute noch hübsch beeindruckend anzusehen. Der krude Schluss! Und dann ist da diese eingefangene Stimmung, so ein Amalgam aus den scheidenden 70ern und gerade neugeborenen 80ern. Ich vermag das nicht besser zu beschreiben. Die 80er markierten für mich den Beginn modernen Kinoschaffens, aus heutiger Sicht ist das natürlich etwas lächerlich. Und an dessen Wiege lauerte der Werwolf. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme.

LIEBLINGSFILME

http://www.imdb.com/title/tt0082010/?ref_=fn_al_tt_1