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Analog, Digital, Austauschbar – Die „Aura“ eines Kunstwerks

Als Utopie-affiner Mensch müsste ich eigentlich alles Digitale willkommen heißen. Text, Bild, bewegtes Bild, Musik – in Sekundenschnelle vervielfacht, weltweit verteilt, zugänglich für Jede_n mit Anschluss an das Netz. Die Möglichkeiten sind grenzenlos: Gerechte Verteilung von Informationen als Grundlage für eine gerechtere Gesellschaft, Entlastung von Verwaltung und Infrastruktur.

Warum aber nutze ich so wenig davon? Warum habe ich keinen E-Book-Reader? Warum habe ich eine Schallplattensammlung, unzählige Bücher, viele davon noch ungelesen und sogar ein Regal voll mit VHS-Kassetten, von denen ich mich (noch) nicht trennen möchte? Ich denke, die Antwort liegt in dem, was Walter Benjamin, einer der Vordenker moderner Medientheorie, bereits 1935 die „Aura“ nannte – das besondere des Kunstwerks, seine Einzigartigkeit angesichts der technischen Reproduzierbarkeit.
Während Benjamin den Begriff auf jegliche Form der Reproduktion bezog – also, für seine Zeit, auf Schallplatten, Fotografie und vor allem Film – ist es durchaus legitim, ihn auch auf den Gegensatz "Analog vs. Digital" anzuwenden. Denn der eigentlich unscharfe Begriff stellt erstaunlicherweise relativ klar dar, worum es bei der Liebe für das Analoge geht: Um Musik, Film und Text, die nicht eine Ansammlung von völlig austauschbaren und absolut reproduzierbaren Nullen und Einsen sind; das imperfekte Knacken der Schallplatte an einer bestimmten Stelle, die Eselsohren im Buch, bei denen man unter Umständen noch weiß, wann und wo sie entstanden sind. Eine persönliche Beziehung zum Kunstwerk – das ist dass, was ich befürchten würde, zu verlieren, wenn ich nur noch MP3, E-Paper und Streaming nutzen würde.

Dass es sich trotzdem meist um Massenware handelt, die unter der Verwendung digitaler Technik produziert wurde – also irgendwann eine Konversion zu Nullen und Einsen durchlaufen hat – und zu mir in der Regel nicht mehr oder weniger persönlichen Bezug hat als zu den Hunderten, Tausenden oder Millionen anderen Konsumenten, ist klar; es lässt sich nur leichter vergessen.

Analog is nich für'n Arsch