Annäherung an die Spiegelredaktion

Herzlichen Glückwunsch liebe Spiegelredaktion. Völlig unverkrampft nehmt ihr Euch der Griechenlandkrise an und wollt euren Leser und eure Leserinnen aufklären. Deswegen gibt es auch für die Ausgabe 29/2015 das Titelthema Griechenland. Es heißt dort: "Unsere Griechen - Annäherung an ein seltsames Volk".

Laut Eurer Internetseite, geht es um das deutsche Griechenlandbild. Jahre, ach was, jahrhundertlang haben wir Deutschen uns also ein falsches Bild von den Griechen gemacht, angeblich zu viel romantisiert. Daher darf bei dem Thema der Ouzo und Sirtaki auf dem Titelbild nicht fehlen. Im Hintergrund hätte sich Udo Jürgens auch nicht schlecht gemacht. Vielleicht trällernd mit Nana Mouskouri, beide die Weingläser hoch erhoben in einem Schauer aus weißen Rosen untergehend. Dafür ist dann der dicke Deutsche da. Stilsicher sind seine Füße in Socken und Sandalen gekleidet, das Deutschland-Trikot spannt ein wenig in der Bauchregion. Die Euroscheine quellen aus der Geldbörse und der Sokrates für Dummies lugt auch aus der Hosentasche.

Das Ganze ist natürlich super ironisch. Ein leichter und unverkrampfter Umgang ist das. Sieht doch auch jeder, dass es sich um eine Karikatur handelt. Wir Deutschen sind nämlich überhaupt nicht so und deswegen wissen wir sofort, der Grieche an sich kann ja auch gar nicht so sein. Deswegen muss man sich diesem Volk auch annähern, wie es so schön im Untertitel zur Titelgeschichte heißt, menschlich sich endlich wieder ein wenig näher kommen. Nach all den gierigen Pleite-Griechen in den Schlagzeilen setzt der Spiegel hier ein Zeichen der Nächstenliebe. Zuvor hatte man auch kaum eine Chance griechische Bürger*inen kennen zulernen, geschweige denn sich mit ihrer Kultur zu beschäftigen. Verklärt hat man immer nur von der Wiege der Demokratie geredet, während man die Feta-Stücke aus dem Salat beim Griechen um die Ecke gepickt hat. Und sicherlich nur deswegen heißt es dann im Untertitel "seltsame(s) Volk" , ganz so wie wenn man ein seltsames Tier in freier Wildbahn beobachtet. Das ist natürlich viel besser als von den Pleite-Griechen zu schreiben, weil weniger beleidigend.

Weil das natürlich nicht jeder versteht und der Unmut in den sozialen Netzwerken brodelte, hat sich jetzt der Spiegel-Chefredakteur geäußert. Da fragt er kokett, welcher der beiden Figuren auf dem Titelbild einem sympathischer ist und gemahnt noch mal daran, was Satire alles darf. Da schreibt er davon, dass viele deutsche Bürgerinnen und Bürger die Verhaltensweise der Griechen nicht nach vollziehen können. Daher hat sich der Spiegel dazu entschlossen uns eine kleine Nachhilfestunde zu geben.

Also ich folge der Süddeutschen, dem Guardian, der TAZ und dem New Yorker online. Und ich glaube, dass all diese Medien über die drastischen Folgen der Sparpolitik für Griechenland berichte haben: im letzten Jahr war mehr als die Hälfte aller Jugendlichen arbeitslos, der öffentliche Gesundheitsdienst überlastet und eine schrumpfende Mittelschicht. Hinzu kommt, dass die Sparmaßnahmen das Land nicht aus der Rezession heraus geholt haben. Ganz ehrlich, wenn Herr und Frau Mustermann da ein 'Nein' aus Griechenland nicht verstehen können, dann fehlt es beiden am nötigen IQ Oder sie lesen die falschen Zeitungen.

Von daher kann ich meine Glückwünsche nur noch mal wiederholen. Chapeau lieber Spiegel, wenn tendenziös berichten, dann doch bitte so.

Griechenland-Krise

http://www.spiegel.de/spiegel/index-9808.html