Anti-Suizid-Projekt: Can a tattoo save your life?

Depressionen und (oft durch sie bedingte) Suizidalität sind immer noch Tabuthemen, obwohl fast jede/r in seinem Leben früher oder später damit konfrontiert wird, direkt oder indirekt. In meinem Bekanntenkreis fällt mir kaum jemand ein, die/ der noch nie selbst mit diesen Problemen gehadert hat oder sich um ihr/ ihm nahestehende Personen sorgt oder gesorgt hat, die damit zu kämpfen haben oder hatten. Mehrere Menschen aus meinem Umfeld haben ihnen nahestehende Menschen durch Suizid verloren. Eine Erfahrung, die man wohl nie ganz abschütteln kann und die das weitere Leben der Betroffenen oft entscheidend prägt.
So auch im Fall von Amy Bleuel, die ihren Vater durch Selbstmord verloren und - zur Erinnerung an ihn und um andere vor ähnlichen Traumata zu bewahren - das „Project Semicolon“ ins Leben gerufen hat. Immer mehr Menschen weltweit lassen sich seitdem ein Semikolon tätowieren, um sich selbst und anderen zu zeigen, dass es ihrer Meinung nach immer einen anderen Weg gibt, als sich das Leben zu nehmen und um auf Probleme wie Depressionen, Angststörungen und selbstverletztendes Verhalten aufmerksam zu machen.
Als Satzzeichen ist das Semikolon als eine Mischung aus Punkt und Komma zu verstehen; ich verwende es immer, wenn ich mich nicht entscheiden kann, ob der Satz zu Ende sein soll oder nicht. Auf der Seite von „Project Semicolon“ wird erklärt: „A semicolon is used when an author could've chosen to end his sentence, but chose not to. The author is you and the sentence is your life.“
Meistens wird das Semikolon in die Innenseite des Handgelenks tätowiert, oft gibt es in der Nähe auch die entsprechende Narbe, die erzählt: Ja, ich war auch schon da.
Aber ist es nicht albern anzunehmen, dass ein tätowiertes Satzzeichen das Leben eines Menschen retten kann, der ernsthaft dazu entschlossen ist, sich umzubringen?
Jemand hat mir mal von einem solchen Verzweiflungsmoment erzählt. Der Entschluss war gefasst, es war alles vorbereitet. Dann ist ihm seine Katze auf den Schoß gesprungen, was sie sonst nie gemacht hat, hat ihn lange einfach nur angeschaut und geschnurrt. Die Katze ist so lange geblieben, bis er seinen Plan schließlich verworfen hat. Natürlich sind seine Probleme durch diesen Vorfall nicht verschwunden. Aber: Er ist immer noch am Leben.
Manchmal kann es vielleicht ein komischer Zufall sein oder ein unerwartetes, kleines Zeichen, das jemanden davon abbringt und ihn (zumindest für den vielleicht entscheidenden Moment) aus dem Gedankenkarussell herausreißt, das ihn keine andere Möglichkeit mehr sehen lässt, als allem ein Ende zu machen.
Selbstmord ist, gerade was depressive Phasen betrifft, eine endgültige Lösung für einen Zustand, der meistens vorübergehend (wenn auch leider meistens wiederkehrend) ist. Menschen, die sich das Semikolon in die Innenseite des Handgelenks tätowieren lassen, wissen das - oder wussten es zumindest in dem Moment, als sie beschlossen haben, sich das Tattoo machen zu lassen. Und wenn es sie in entscheidenden Situationen daran erinnert, dass alles schon mal besser war und sie darauf hoffen lässt, dass es auch wieder besser wird - warum nicht?

Project Semicolon

http://www.projectsemicolon.com/

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