Anzeige gegen Lubitz' Angehörige

Zwischen Berufswechsel und Umzug hat mich heute die Meldung erreicht, dass ein Angehöriger zweier Opfer des Germanwingsabsturzes vom März letzten Jahres Anzeige gegen die Angehörigen des Copiloten Andreas Lubitz erstattet hat. Die Anzeige zielt auf Beihilfe zum Totschlag in 149 Fällen ab.
Mit Erschrecken habe ich daraufhin festgestellt, dass ich keinen Artikel finden konnte, der sich kritisch mit der Anzeige auseinander setzt sondern, im Gegenteil, diese eher noch stützt.
Es wird völlig außer Acht gelassen, dass Andreas an einer heimtückischen Krankheit litt, die noch lange nicht im Akzeptanzbereich unserer Gesellschaft angekommen ist und diese Hexenjagd nun noch dafür sorgt, dass es damit wohl noch sehr lange dauern wird.
Manch ein Betroffener wird sich heutzutage wohl dreimal überlegen, ob er mit einer Depression zu einem Arzt geht oder sich Freunden und Familie öffnet, aus Angst noch mehr als ohnehin schon stigmatisiert zu werden. Nicht auszudenken, wie manch ein Arbeitgeber darauf reagieren wird, als wäre dies auch ohne diese Hetzte nicht schon schwierig genug.
Andreas Lubitz litt an einer heimtückischen Krankheit und hat sich damit einem Arzt und auch seiner Familie und Freunden anvertraut. Dies erfordert viel Mut und Durchringung. Der Kläger setzt den Angehörigen des Copiloten ein hohes Maß an medizinisch-psychologischen Kenntnissen voraus, wie es viele Ärzte nicht mitbringen. Verlangt er doch, dass sie das Unglück hätten kommen sehen und verhindern müssen.
Dabei wird, auch von den vielen Medien, vergessen dass es sich bei Herrn Lubitz in Bezug auf die Eltern nicht einfach um irgendjemanden handelt, sondern eben um das eigene Kind, welches liebevoll aufgezogen, erzogen und umsorgt wurde. Das Kind, welches man schon seit Jahren an der Krankheit leiden sehen musste, den Leidensweg mitgegangen ist und immer auf Besserung gehofft hat. Was für ein Mensch muss man sein, wenn man sein eigenes Kind wegsperren lässt weil man vermutet, es könne so ein Unglück geschehen, wenn man es nicht tut. Wer überhaupt traut seinem eigenen Kind, oder Partner so etwas zu.

Es stellt sich mir in der ganzen Sache auch noch eine Frage ganz besonders. Wenn ein Bluthochdruckpatient am Steuer seines Fahrzeuges einen Herzinfarkt erleidet und aufgrund dessen in eine Fußgängergruppe rast und dabei mehrere Personen, inklusive Fahrer, sterben, ob dann auch von einem "Amokfahrer" geschrieben wird. Und eine Anzeige gegen die Angehörigen des Fahrers aufgegeben und medial unterstützt wird. Denn wussten diese doch vom Gesundheitszustand des Unfallfahrers und haben das Unglück nicht verhindert.
Denn nochmal - Andreas war kein Monster, er litt an einer bösartigen Krankheit.

Ich kann den Schmerz und das Unverständnis und die Sinnlosigkeit über dieses ganze Unglück verstehen. Nichts und niemand wird jemals wieder die vielen Toten zurück bringen, oder den Absturz ungeschehen machen können.
Mein Respekt gilt den vielen Opfern, den vielen ungelebten Leben, die so vieles noch erreichen hätten können. Vielleicht war jemand darunter, der eines Tages auch Andreas hätte heilen können, damit auch er endlich wieder ein Leben in Gesundheit und Freude hätte verbringen dürfen. Mit Frau und Kindern, einem kleinen Haus am See und unbeschwertem Blick in die Zukunft.
Mein Mitgefühl geht an die Angehörigen der Opfer des Absturzes und ich hoffe sehr, dass deren Schmerz eines Tages vergehen möge. Auch - und ganz besonders der Schmerz, die Selbstvorwürfe und das Leid, dass die Eltern, Freundin und Freunde von Andreas Lubitz seit über einem Jahr ertragen müssen.

Am 24.03.2015 gab es keinen Täter, sondern bloß Opfer. 150 an der Zahl - und keines weniger.

"Amokpilot", lubitz, Depression

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