"Auch ein Sandwich?" - Warum wir uns in mehr Empathie üben sollten

Plattitüden machen unser Leben leichter. Wenn wir nicht mehr wissen, was wir sagen sollen, dann rutschen sie uns schon einmal raus. Oder auch, wenn wir gar nicht wissen, was wir sagen sollen. Plattitüden sind nicht zwangsläufig böse gemeint, sondern eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit, denn viele Menschen finden es schwer, Mitmenschen in schwierigen Zeiten zu unterstützen.

Aber was können wir besser machen, wenn wir Freund*innen nicht nur ein "Die Zeit heilt alle Wunden" hinrotzen wollen, sondern tatsächlich zeigen wollen, dass wir für sie da sind?

Wer nicht auf Plattitüden zurück greifen will, sollte sich den verlinkten Beitrag ansehen. Hier erklärt Bréne Brown, Research Professorin an der Houston Universität, wie Empathie zwischenmenschliche Beziehungen schafft und uns gleichzeitig erlaubt, für Menschen in Krisenzeiten da zu sein.

Laut Brown, die sich auf Theresa Wiseman bezieht, zeichnet sich Empathie durch vier Kriterien aus:
Zunächst muss man in der Lage sein, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen und seine bzw. ihre subjektive Wahrheit anerkennen. Eigene Moralvorstellungen haben dabei leider nichts verloren. Nicht immer einfach, sind wir doch alle geprägt von dem, was uns unsere Eltern beigebracht haben oder der Kulturkreis vorgibt.
Das heisst, wenn mir eine Freundin nach einem One-Night-Stand erzählt, dass sie nicht verhütet hat und nun besorgt ist, dass sie schwanger sein könnte oder sich eventuell eine Krankheit eingefangen haben könnte, dann hilft es ihr relativ wenig, wenn ich ihr eine Moralpredigt über die Wichtigkeit von Verhütungsmitteln halte und sie auch noch für ihre sexuellen Ausschweifungen ermahne. Diese Reaktion hat rein gar nichts mit Empathie zu tun und führt hoffentlich nur dazu, dass sich die Freundin eine bessere*n Ansprechpartner*in sucht.
Ausserdem geht es bei Empathie auch darum, die emotionale Lage meiner Gesprächspartnerin zu erkennen und dies dann mitzuteilen. Wenn wir beim Beispiel bei der Freundin bleiben wollen: Ein "Scheisse, dir geht es nicht gut. Ich verstehe das, mir ging es auch schon einmal schlecht." macht sich besser als ein "Uoh, schöne Scheisse. Auch ein Sandwich?".

Empathie ist also die zwischenmenschliche Verbindung, die wir eingehen, weil wir mit dem Gegenüber fühlen und dessen Gefühle anerkennen. Wir müssen dazu nicht in der gleichen Situation sein, wir erinnern uns aber daran, wie wir uns fühlen, wenn wir uns Sorgen oder Angst haben.

Brown stellt auch klar, dass empathisches Antworten selten mit "Zumindest" anfängt. Dieses "Zumindest" liegt auch mir oft der Zunge und ich muss mich bremsen, weil es doch keinen Trost spendet. Es ist nur eine verkürzte Plattitüde für "Jedes Unglück hat auch sein Gutes":

"Ich glaube, ich bin schwanger."
- "Zumindest kannst Du Kinder kriegen."

Das überspitzte Beispiel zeigt, dass wir oft nicht wissen, wie wir auf schwierige Mitteilungen reagieren sollen und dann passiert es, dass wir etwas plump und unbeholfen antworten. Völlig normal und menschlich, denn alles, was mit Menschen zu tun hat, ist unwahrscheinlich kompliziert. Was aber tun?
Brown schlägt vor, einfach zuzugeben, dass man nicht weiss, was man sagen soll. Völlig zu Recht sagt sie, dass eine Antwort in den seltensten Fällen Probleme in Luft auflösen kann. Was aber zählt ist, dass man in der Lage ist, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen, so kann eine zwischenmenschliche Beziehung erst entstehen.
Plattitüden haben oft den gegenteiligen Effekt, sie stören den zwischenmenschlichen Kontakt. Diejenigen, die sie hören müssen, fühlen sich missverstanden und nicht ernst genommen. Egal, wie gut man es eigentlich gemeint hat, salopp gesagte Sprüche haben noch nie bei der Bewältigung von Sinn- und Lebenskrisen geholfen.

Plattitüden

https://www.youtube.com/watch?v=1Evwgu369Jw