Aufklärung. Grundsätzlich. Immer.

Gewundert hat mich das schon häufig und dieser Tage wundert es mich einmal mehr. Die Bevölkerung wird kaum richtig aufgeklärt. Zwar lassen Politiker schon mal den Satz fallen, Asylanten seien wegen einiger, (in meinen Augen) teils verkommener und höchstwahrscheinlich dazu aus dem Untergrund angestachelter Subjekte, bitte nicht alle über einen Kamm zu scheren, aber das ist meines Erachtens zu wenig. Um mich herum hagelt es seither trotzdem die erwartbaren gedanklichen Kurzschlüsse.
Angst verhagelt den Verstand, Selbsterhaltungstrieb sucht nach vereinfachten Sichtweisen, die schlagfeste Lösungen versprechen. Und das wissen die Feinde unserer sog. westlichen Kultur sehr gut. Das ist wohl ihr mächtigstes Geschütz. Verunsicherung soll nutzbar gemacht werden. Es geht darum, die Gesellschaft zu spalten. Damit den Menschen, die sie ideologisch und kulturell näher bei sich wähnen, ein immer eisigerer Wind entgegenweht und sich diese ihnen schließlich öffnen und anschließen, aus einer dann vielleicht nachvollziehbaren Verteidigungshaltung heraus. Das heißt eine unserer besten Waffen gegen die wäre eigentlich Gelassenheit und eine bessere Gesamtschau auf die Problematik. Den Feind entwaffnet vor allem Besonnenheit und eine entsprechende Haltung.
Dazu bräuchte es allerdings viel mehr Aufklärung. Im Fernsehen. In den Schulen. In Kirchen. Man muss es unablässig in die Köpfe der Menschen hämmern, sonst sorgt die Angst halt leider schnell für das alte Lied reaktionärer Bedürfnisbefriedigung. Furcht wiegt am schwersten und Rationales ist wie Magerquark. Gesünder zwar, aber zieht nicht so bei einem akuten Bedürfnis.
Das betrifft im Übrigen nicht nur die aktuelle Problematik. Warum ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut? Weshalb sind Datenschutz und Privatsphäre immens wichtig? Was bringt uns Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Kirche? Wieso ist die Todesstrafe grundsätzlich abzulehnen? Warum ist das alles essentiell? Die meisten Menschen wissen auf so etwas kaum eine befriedigende Antwort. Und das verwundert nicht. Zum einen kommen diese grundlegend für unser Leben eigentlich wichtigen Themen kaum aufs Tablett. Zum anderen findet Unfug und reaktionärer Bullshit eine viel größere und willkommenere Verbreitung, besonders in Zeiten wie diesen. Doch warum lässt man das zu?
Schämt man sich ob solcher Aufklärungsmaßnahmen, weil das wie ein breites Zugeständnis an unsere, leider immer weiter fortschreitende, Dumpfheit aussähe? Oder werden diese grundsätzlichen Werte und Pfeiler unserer westlichen Welt von vielen unserer Volksvertreter und Intellektuellen längst nicht so geteilt oder verstanden, wie es eigentlich sein sollte? Warum findet eine Auseinandersetzung mit so grundlegenden Fragen kaum statt im Mainstream der Medien?
Ich bin kein sonderlich politischer Mensch. Jemandem wie mir, der sein Wissen von der Welt vorwiegend auf der Hauptschule abgewöhnt bekam, mit gutem Erfolg, käme so etwas also echt zugute schätze ich.
Weshalb sind die fundamentalen Ideen unserer Freiheit nicht von größerem Interesse und werden durch die Institutionen eher behandelt wie Geschlechtskrankheiten, über die man zwar sprechen muss, aber wenn's geht nicht mit jedem? Und bitteschön nicht dauernd…! Sie alle sind wesentlich für unser System und doch hören die wenigsten jemals von ihnen in einer nachvollziehbaren Art und Weise. Das glaubst du nicht? Dann begib dich mal auf die Straße und finde zum Beispiel heraus, wie Leute beim Thema Überwachung die Aussage finden, dass wer nichts zu verbergen, auch nichts zu befürchten hat. Und du wirst dich wundern! Solche Themen werden in der Regel nur benannt. Selten diskutiert. Verstehe das einfach nicht. Als würden wir das alles längst verinnerlicht haben. Es könnte nicht weiter weg sein von der Realität. Eigentlich ist es verwunderlich, dass wir uns nicht längst schon in die nächste Diktatur gewählt haben.
Nochmal zurück zum Thema. Ich würde gerne mehr zu den möglichen Strategien der Terroristen hören. Mehr darüber, weshalb wir unwissentlich ihre Komplizen werden, wenn wir verallgemeinern und uns in das Schneckenhaus angsterfüllten Misstrauens und Hassens verziehen. Nicht nur hören was ungut ist. Auch erklärt bekommen, warum es nicht gut ist. Wenn man etwas versteht, dann ist das mit den gedanklichen Kurzschlüssen nämlich gar nicht mehr so einfach.

Meine Kernaussagen beruhen natürlich weitgehend auf puren Vermutungen und so. Und Angst auch. Deswegen sorry, falls ich Humbug nicht ausreichend kaschieren konnte... ;)

#kölnhbf

http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Kiez-Attacken-an-Silvester-Jetzt-27-Anzeigen,kiez116.html