Ballermann 6 – der beste Film! Normaal!

Eines gleich vorweg: ich bin keiner der Leute, die sich alle Jahre wieder am allseits bekannten Strand von El Arenal volllaufen und durchbrutzeln lässt. Ich habe tatsächlich nur einmal den klassischen Ballermann-Urlaub mitgemacht. Die Erfahrung war es Wert, aber nochmal brauche ich das ehrlich gesagt nicht! Warum ich diesen Trip, aber unbedingt wenigstens einmal in meinem Leben wagen musste, erklärt sich, dass ich schon seit meiner (späten!) Kindheit einen absoluten Lieblingsfilm habe: BALLERMANN 6. Tommys und Marios Odyssee durch die Höhen und Tiefen eines dreitägigen Ballermann-Urlaubs ist ein für mich bis heute unerreichtes Meisterwerk des Proleten-Films.

Kurz zum (zugegebenermaßen recht übersichtlichen) Plot des Films: Zwei „Halbaffen“, gespielt von Tom Gerhard und Hilmi Sözer in Rolle ihres Lebens, geraten mehr oder weniger durch Zufall an 2 Ultra-Billig Tickets nach Palma de Mallorca (195,- Mark für jeden). Die Tickets haben sie allerdings zwei Bauern aus Bergheim dreist vor der Nase weggeschnappt. Diese reisen darauf den beiden auf die Insel hinterher und haben nur ein Ziel: Unseren beiden Lieblingsproleten eine ordentliche Ladung Schwedentrunk (ein Kanister voll Gülle) einzuflößen. So beginnt die Verfolgungsjagd quer durchs Urlaubsparadies. Das Beste am Film ist aber, dass Tommy und Mario quasi völlig ohne Geld zum Ballermann reisen, in der festen Überzeugung, dass es überall nur Freibier zu trinken gibt (Normaal!). Nachdem sie feststellen, dass es wohl doch nicht so einfach ist, schlagen sich die beiden mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durch und machen sich dabei den ein oder anderen zusätzlichen Feind.

Natürlich scheint die Handlung des Films auf den ersten Blick eher für einfache Gemüter geeignet. Wenn man sich aber die Freiheit nimmt, mal für 90 Minuten seinen Kopf ein wenig auszuschalten, stellt man fest, dass der Film eigentlich ziemlich genial durchdacht ist. Jeder Punkt der Handlung baut auf einem anderen auf und die beiden Hauptakteure werden am Ende zu tragischen Helden, die zwar mit einigen Blessuren, aber dennoch mit dem guten Gefühl des Sieges ins heimische Köln-Kalk zurückkehren. Ein Highlight sind auch die zahlreichen Gastauftritte von deutschen Unterhaltungsgrößen wie Uwe Ochsenknecht, Ottfried Fischer und Jürgen Drews. Die hätten sich sicher nie auf diese Gastrolle eingelassen, wenn sie nicht völlig von der Qualität des Filmes überzeugt gewesen wären. Ich glaube nicht, dass bis heute eine der genannten Personen dieses Engagement bereut. Alle samt haben sie in ihre jeweilige Klischee-Rolle doch sehr gut hineingepasst

Auch wenn es schwer ist, sich eindeutig festzulegen, hier meine 3 Höhepunkte des Films:

1. Tommy und Mario Rasen – abgelenkt durch einen „geilen Betthasen“ - mit ihrem Eiförmigen Gefährt in die Mopeds einer Gruppe Rocker, angeführt von Uwe Ochsenknecht. Um die Situation zu beruhigen, steigen sie in Ihren Hasenkostümen aus dem Wagen, sagen das Gedicht von „Hallmanns Hasen, die über Straßen rasen“ auf und bieten dem stets gewaltbereiten Uwe ein „Ernie-und-Bert-Quitsche-Entchen“ als Entschädigung an.

2. Tommy und Mario knobeln darum, wer als erster an die schöne und betrunkene Maja ran darf, die scheinbar willenlos auf Ihrem Hotelzimmerbett bereit liegt. Der Wettkampf im Schnick Schnack Schnuck kommt führt zu keinem Ergebnis und die Situation scheint ausweglos, bis Mario schließlich die „ große Ravensburger Spielesammlung“ entdeckt und die beiden so lange gegeneinander spielen, bis sie vor Erschöpfung einschlafen. (Glück für Maja!)

3. Unserer beiden Helden verleihen einen bei einem ihrer Handlanger Jobs „aufgemotzten“ Jet Ski an Jürgen Drews. Der düst damit gleich in Schallgeschwindigkeit davon, als den beiden auf dann auffällt, dass keiner von ihnen die eigentlich fällige Arbeit am Gefährt erledigt hat: Die Lenkung reparieren… Für Jürgen Drews startet damit ein endloser Höllentrip, der ihn am Ende nonstop zurück bis zum kölschen Rheinufer führt, wo er dann unglücklicherweise wieder auf unsere beiden Chaoten trifft…

Meine ganz persönliche Reise zum Ballermann hat übrigens 12 Jahre nach dem Abenteuer von Tommy und Mario stattgefunden hat. Eimersaufen am Stand und auf der Promenade war da schon längst nicht mehr erlaubt. Inzwischen sammeln sich die Leute in mehr oder weniger abgeschotteten Plätzen wie dem „Mega Park“ und dem „Bierkönig“. Wahrscheinlich ist das auch besser so. Trotzdem hat der Ballermann damit wohl so einiges von seinem ursprünglichen, im Film zelebrierten Charme verloren. Meine Meinung ist deswegen: Lieber zu Hause bleiben und sich Ballermann 6 mit ein paar richtig guten Freunden bei einem gepflegten Eimer 43er mit Milch anschauen, als selber hinfahren. Ist billiger und lohnt sich mehr! :-)

LIEBLINGSFILME

https://www.youtube.com/watch?v=fVR8yJjnhjI