Berauschend hart

" Achtung! Dies ist kein Review! Der Autor onaniert lediglich…

Es ist jetzt einige Tage her seit ich im Kino war und bevor ich überraschend von einem Pfeil durchbohrt oder einem Grizzly verhauen werde, will ich doch noch schnell meine Eingeweide hier auskippen.

Alejandro G. Iñárritus Film ist eine harte Nummer. Einerseits schön anzuschauen, aber einer Lust auf einen Ausflug ins Grüne dürfte er eher abträglich sein. Da ist man doch richtig froh, hinterher in seine Betongruft zurückkehren zu können und sich langsam von innen heraus mit Fastfood und Bewegungsmangel zu zerfleischen, als das Schicksal zu teilen, das DiCaprio hier widerfährt.

Der liegt die meiste Zeit nämlich stöhnend und suppend in der Gegend herum und versucht nicht in seine Einzelteile zu zerfallen, während er zunächst von seinen Leuten, nachdem ein Grizzly ihn übel in der Mangel hatte, durch die Gegend gezerrt, und dann zum Sterben liegenlassen wird. Tom Hardy tötet zuvor noch schnell seinen Sohn, womit DiCaprio quasi die Eintrittskarte zur Unsterblichkeit löst und fortan überlebt, überlebt und überlebt, damit er am Ende Rache nehmen kann. Wird er es schaffen? Versuchen Sie lange genug zu überleben…!

Das klingt jetzt so, als hätte ich ein Problem gehabt mit dem Film. Aber dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. DiCaprio spielt exzellent, Hardy ebenso. Inszeniert ist "The Revenant" auch hervorragend. Gut, ich habe mir abgewöhnt im Zeitalter von Computereffekten noch wegen visuell Erstaunlichem mein Wasser zu lassen, aber das ist schon erste Sahne wie hier mit einer immerwieder überraschenden Leichtigkeit Menschen überzeugend von Pfeilen perforiert und Wildtiere in die berauschenden Landschaften gerendert werden. Das ist einfach verdammt gut gemacht. Es wurde offenkundig nicht nur Geld an die Leinwand geworfen, sondern auch Talent. Dabei ist der Film angenehm zurückhaltend in Sachen Pathos. Die Filmmusik fällt kaum auf, es wird ein Realismus heraufbeschworen, der hilft eigentlich Unglaubliches plausibel erscheinen zu lassen und die Gewaltexzesse sind nicht im Mittelpunkt, sie finden nebenher statt und fügen sich damit nahtlos ein ins Geschehen. Es fühlt sich alles real an. Na gut, der Pixel-Grizzly wirkte schon noch ein wenig digital, aber trotzdem fand ich es beeindruckend gelöst.

Letztendlich habe ich nur einen kleinen Kritikpunkt. Der Film ist sehr intensiv und das von Anfang bis Ende. Es gibt keine Änderungen im Ton oder deutliche Brüche. Das ist auf Dauer ein bisschen problematisch in meinen Augen, weil ich wurde im zweiten Teil dann doch etwas müde. Will heißen, vielleicht war er ein kleines bisschen zu lang? Eine halbe Stunde kürzer oder so wäre eventuell nicht so verkehrt gewesen? Ansonsten aber bitte so viele Oscars für alle Beteiligte wie sie häuten und essen können!"

The Revenant - Der Rückkehrer

http://www.filmstarts.de/kritiken/182266.html

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