Blinde Wut

Ich finde es beinahe ulkig zu glauben, wenn man nun mit Schaum auf den Lefzen beleidigt gegen die "saublöden" AfD-Wähler herzieht, dass die dann geschockt zurückrudern und schuldbewusst das große Mea Culpa anstimmen. Was sonst soll das kopflose Gezeter allenthalben? An Gesinnungsgenossen ist es wohl kaum gerichtet, man weiß doch wie die ticken. Man möchte schon die Anderen irgendwie damit erreichen, respektive anpinkeln. Das ist aber weitestgehend  vergebliche Liebesmüh. Man darf auch keine Mauern um Bundesländer ziehen, noch Menschen in die Wüste zwangsaussiedeln, so schön das jetzt vielleicht wäre. Vor allem schön faschistoid, ha ha … ha? Und Auswandern ist ebenso keine echte Option. Wer bitte will uns denn? Na ja.

Der Wähler ist in der breiten Masse ein Weidetier, aber mit Potential und wie man sieht doch verlässlich informations- und vernunftresistent. Und die beleidigte Leberwurst regiert halt überall. Man ist eingeschnappt, geschockt und sauer, kann es einfach nicht begreifen, warum der seit jeher eher zu kleinkariertem Makakentum und Arschgeigen neigende Bürger in turbulenten Zeiten komisch wählt. Und das auch noch als Toitscher, vor dem Hintergrund unserer speziellen toitschen Geschichte. Pfui!

Ich möchte niemanden schocken, noch kann ich wohl Viele bremsen in ihrer aufrechten Entrüstung, aber willkommen in der altbekannten, immerwährenden Scheiße. Und einmal mehr Adieu utopische Erwartungshaltung und Glauben daran, dass mal etwas anders laufen könnte. Die Geschichte zählt für die meisten eben nichts, das müssen wir langsam begreifen. Wir sollten uns mit unserer Erwartung und schlussendlich nun mit unserer Entrüstung nicht immer hinter ihr verkriechen und auf späten Anstand und späte Einsicht des Durchschnittsdeutschen bauen. Die Karten werden stets neu gemischt, auf den Geist der Geschichte können wir aufhören zu hoffen. Wie oft hat sich die Scheiße nun schon getürmt und ist wieder kollabiert seit der Erfindung des "Homo Blödmanns"? Wir sind zum Hier und Jetzt verdammt. Mit dem Ist müssen wir klarkommen. Und das War darf uns nicht blind machen, weil es uns in Anbetracht der Wahlereignisse den Schaum vom Maul in die Augen spült.

Wir sind was wir sind. Wir müssen mit dem arbeiten was ist. Und so krass, wie es manche darstellen, ist es in meinen Augen noch lange nicht. Wenn ich so in die Timelines meiner Kontakte auf Facebook blicke habe ich aber den Eindruck die neue Weimarer Republik läge bereits schon wieder hinter uns. Es wird verflucht, mit Auswanderung gedroht (wem eigentlich?), manchmal sogar mit Mord und Totschlag. Deutschland wird da bereits abgeschrieben könnte man meinen. Jetzt schon? Im Ernst? Mein lieber Mann! Der Ball wurde doch gerade erst ins Spielfeld geworfen.

Die allermeisten Menschen haben bisher die "Analzysten für Deutschland" doch noch gar nicht gewählt. Das kann sich ändern, klar. Aber das Spiel ist noch nicht gelaufen. Entrüstung bringt hier Null. Ein konstruktiver Umgang mit der Situation ist gefragt. Und ja, Optimismus brauchen wir! Keine Doomsday-Romantik. Ich hab ja keine Ahnung, aber sogar mein rechter unpolitischer Hoden gibt mir irgendwie das Gefühl, dass das Vierte Reich noch lange nicht droht. Wir müssen in Anbetracht der Gesamtlage lernen einen kühlen Kopf zu bewahren und intelligente Wege finden, dem Pendel der Geschichte einen Berg sonnige Ideen in den Weg zu stellen. Menschen sind Menschen. Man kann sie verlieren, aber auch zurückgewinnen. Jedoch bestimmt nicht, indem man sie abschreibt. Ein wenig Anpinkeln sei aber erlaubt.

Sollte man vielleicht AfD-Wähler beispielsweise aus seiner Facebook-Freundesliste kicken, für einen jedoch heimlich die Patenschaft übernehmen und ihn wohlwollend und beständig informieren? Was könnte man noch tun?

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