Blurred lines und andere Wahrnehmungsstörungen

Ehrlich gesagt habe ich mir genau dasselbe gedacht wie Lena Dunham, als ich aus Versehen Justin Biebers neuen Song gehört habe. Die fraglichen Zeilen haben mich unangenehm an Robin Thicke und seine schmierigen „Blurred Lines“ erinnert – ein Song, der ja dasselbe Klischee bedient: Frauen sagen irgendwas („nein“), meinen aber etwas anderes („ja“) - was Mann natürlich meist an der Körpersprache, den Klamotten oder anderen oberflächlichen Schlüsselreizen zu erkennen glaubt.
Der kleine Justin ist bekanntlich nicht die hellste Kerze im Kronleuchter, deshalb will ich mal nicht so streng sein wie Ms. Dunham (obwohl sie recht hat), dem Schmachtboy seine jugendliche Verwirrtheit zugute halten und glauben, dass er es einfach tatsächlich nicht checkt, wenn ihn mal überraschenderweise eine abblitzen lässt, und dass er auch nicht mehr sagen wollte mit seinem ansonsten todlangweiligen Song. Bei Robin „Ich wollte Miley so nackt wie möglich“ Thicke ist das Wiederkäuen dieser sexistischen Denke m. E. härter zu verurteilen. Hier wurde nämlich bewusst mit dem Doppeldeutigen kokettiert, um mediale Aufmerksamkeit zu erregen und High Fives von selbsternannten Checkern und Frauen-Nichtverstehern all over the world einzuheimsen. Ist jedenfalls so meine Vermutung.
Abschließender Hinweis an alle, die unter denselben Wahrnehmungsstörungen leiden wie Bieber, Thicke und viel zu viele andere: Nicht jedes Girl im Club tanzt nur für Euch, und wenn eine „verpiss dich“ zu Euch sagt, dann ist das auch so gemeint. Egal, was sie dabei mit ihrem Kopf macht oder wie tief ihr Ausschnitt blicken lässt. So einfach ist und bleibt das.

Justin Bieber: What do you mean?

http://www.rollingstone.de/justin-bieber-beschuldigt-vergewaltigungen-zu-foerdern-832103/