Bob‘s Burgers

Ich mag animierte Serien aus den USA – denn ich bin Simpsons-sozialisiert. Das ist durchaus eine Aussage mit Gewicht, denn ich zähle die Simpsons, als Gesamtkunstwerk, zu den höchsten Kulturgütern der letzten 50 Jahre. Es braucht daher einiges, mich von der Qualität einer neuen Serie zu überzeugen: Denn, wie gesagt, ich bin Simpsons-sozialisiert, in den 90er Jahren, und damit das Beste vom Besten gewohnt. Die „Golden Era“ aus Springfield – ungefähr die Seasons 3 bis 9 – sind so voll von hochgradig intelligentem Humor, emotional und gesellschaftskritisch engagierten Plots und großartig geschriebenen 20-Minuten-Kunstwerken, dass dagegen fast alles andere abstinkt.

„Family Guy“ ist mir meist zu großmäulerisch und gewollt „edgy“. Bei „Southpark“ fühlte ich bald keinerlei emotionale Bindung mehr zu den Charakteren. „American Dad“ dagegen hat viel Potential – in den besten Episoden sind Stan Smith, Roger und Co. kritisch, in der Form mutig und voller popkultureller Schätze. Leider ist hier Beständigkeit ein Problem, manche Episoden sind schlecht geschrieben oder planlos aufgebaut. Es scheint mir manchmal, als hätte diese Serie vielleicht selbst gerade eine goldene Zeit hinter sich gelassen.

Um so wunderbarer, dass mir durch meine Schwester (danke nochmal!) „Bob’s Burgers“ ans Herz gelegt wurde. Die 2011 gestartete Serie spielt in einer kleinen, unbenannten Stadt in den USA, wo Familie Belcher – Linda und Bob mit den Kindern Tina, Jean und Louise – ein kleines Burger-Restaurant betreibt.
Szenerie und Charaktere bedienen viele bekannte Bilder und Stereotypen: Die touristische Kleinstadt im Nordosten der USA mit Boardwalk und Vergnügungspark, der glücklose Bob, der nervige Nachbar und Rivale, der mysteriöse und exzentrische Vermieter. Obwohl realistisch präsentiert, schwingt allen Figuren eine surreale, chaotische Note mit, die immer für Überraschungen sorgen kann.

Größte Stärke der Serie ist das Drehbuch. Wie zu besten Zeiten der Simpsons schaffen es viele Episoden, zwei Handlungsstränge zu entwickeln, die Einblicke in Emotionen und Psyche der Hauptfiguren erlauben – während man sich alle paar Minuten über skurrile Situationen, unglaubliche Wendungen oder einfach nur saulustige Witze totlacht. Auch das Voice Acting trifft immer auf den Punkt. Lindas nerviger New Jersey-Akzent, der nuschelnde Stammgast Teddy, die hysterische Louise oder als Krönung die immer unsichere, immer pubertär verwirrte Tina – die Stimmen transportieren den Humor des Drehbuchs perfekt.

Vor wenigen Tagen startete Season sechs sehr vielversprechend: Mit einer Flashback-Episode, in der drei alternative Möglichkeiten für Bobs und Lindas erstes Treffen entworfen werden. Natürlich ist auch das bei den Simpsons geklaut: Flashback-Episoden wie „Lisa’s First Word“ oder „The Way We Was“ gehören seit langem zu den Favoriten von Simpsons-Fans.

Bob's Burgers

http://www.ew.com/article/2015/09/27/bobs-burgers-season-6-preview