Campino, Heino und der Punk

Campino, der Frontmann der Toten Hosen, Ist besorgt, sein alter Widersacher Heino möchte den Song "Tage wie diese" covern. Auf den ersten Blick scheint nichts dabei zu sein, wenn ein Schlagersänger zum Ende seiner Karriere hin den Punk entdeckt, hier liegt der Fall jedoch anders. Beginnen wir mit Campino. Er kam anlässlich eines Englandaufenthaltes durch seinen älteren Bruder zum Punk, er suchte und fand Punkrocker in der Gegend um Düsseldorf und gründete eine Band, aus der später die Toten Hosen hervorgingen. Anders als der ursprüngliche Punk mit seiner nihilistischen Weltanschauung, seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Establishment, seiner Verachtung gegeüber den gängigen Richtungen der Popmusik schipperten die Toten Hosen schon von Beginn an in Richtung mainstream, waren auf Öffentlichkeit und Erfolg aus. So erklärt sich auch ein früher Auftritt im Haus des einstigen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht auf Einladung seines gerade volljährig gewordenen Sohnes. Im Rückblick stellen die Hosen gerne dar, dass Sie In treuer Pflichterfüllung des Klischees durchaus in die Beete des Landesvaters gepisst hätten, deutlich wird aber zugleich auch ein schon damals angelegter Hang zur vermeintlich ungeliebten Bürgerlichkeit, wenn es denn nur dem Ruhm dient. In 2012 wurde der Song "Tage wie diese " zum Fansong der deutschen Nationalmannschaft, auf dem Oktoberfest wird der Song mitgegrölt und nach dem CDU- Sieg in 2013 greift Volker Kauder zum Mikrofon und singt den Song während Ursula von der Leyen - sicherlich auch in seliger Erinnerung an den Abend mit den Hosen im Garten der Villa ihres Vaters - dazu tanzt. Angela Merkel wird sich später bei Campino für den Missbrauch des Songs entschuldigen, spätestens hier muss Campino klar geworden sein, dass er weit weg vom Punk und ziemlich nah am Schlager ist. Nur, wie soll man sich gegen diese breite Popularität wehren, einige Fans wie z.B. die Kanzlerin sind ihm durchaus sympathisch, die CDU schätzt er nicht. Gegen die Nutzung des Songs durch die Schweizer Rechtsrock- Gruppe Amok lässt sich noch eine Unterlassungsklage erwirken. Wie stoppt man nun Heino, der sich in diesen Song verliebt hat und ihn am Silvestertag 2015 im Silvesterstadl aufführen will. Heino, dem sein Publikum wegstirbt, der sich aus kommerziellen Gründen dem Rock unter Ausnutzung seines vermeintlichen Kultstatus zugewendet hat. Ausgerechnet jener Heino, der sein Enzianlied für musikalisch anspruchsvoller als die Rocksongs hält, die er seit einigen Jahren covert.
Campino wird wohl vergeblich auf die Kraft des Punks hoffen, die Erkenntnis, dass der Punk eine raue Stimme und einen authentischen Intepreten benötigt, um gut rüber zu kommen, wird gegen die eingefleischten Heino-Fans nicht helfen, diese Fans werden Heino schon allein deswegen huldigen, weil Heino einen eingängigen Punksong singt. Für "Tage wie diese" wird es zu spät sein, die Vereinnahmung des Songs durch punkferne Anhänger ist zu weit fortgeschritten. Die toten Hosen werden nicht mehr das sein, was sie mal waren, vielleicht ist deren Punkphase tatsächlich schon länger vorbei. Und Heino, für ihn ist es schon längst zu spät. Punk und Rock kann er nicht, da helfen auch seine Fans nicht mehr. Und sicherlich darf man auch Zweifel haben, ob dieser Song noch als Punk durchgehen kann.

Punk

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