Charismatischer Künstler

Eine Dokumentation über eine noch lebende Persönlichkeit zu drehen, ist immer eine Gratwanderung. Allzu oft wird das filmische Werk unkritisch, weil es in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstand. Das Leben und Schaffen des David Hockney lässt diese Gefahr gar nicht erst aufkommen, ist es doch schillernd genug und so reich an Facetten, dass es bereits oft Sujet dokumentarischer Arbeiten war. Die Bekannteste entstand 1973, Jack Hazans »A Bigger Splash«, über Hockneys legendäre California Pool Paintings. Sie sind auch Herzstück der Biografie des britischen Regisseurs Randall Wright, der mit seinem schlicht »Hockney« betitelten Film einen umfassenden Blick in die Vita des Malers wirft. Von der Kindheit in der winzigen Wohnung in Yorkshire, das Heranwachsen geprägt von den Schatten des Zweiten Weltkriegs, hin zum gefeierten Künstler und medienwirksamer Persönlichkeit. Wrights Film lebt dabei von Hockneys Charme, der ihn auch heute noch umgibt, wie man in einigen aktuellen Interviews spüren kann. Der Regisseur klammert aber auch nicht Hockneys Homosexualität und die Beziehungen in seinem Leben aus. Viele seiner Wegbegleiter kommen zu Wort, seine größte Liebe aber schweigt. Aber auch so ist »Hockney« ein unterhaltsamer Streifzug durch die Jahrzehnte, ein umfassendes, wenn auch recht konventionell umgesetztes Porträt eines Künstlers und seiner Arbeit und gleichermaßen für Einsteiger und Kunstkenner informativ. Viele Grautöne gibt es zwar nicht, aber am Ende kann man dem Charisma des smarten Briten einfach nicht widerstehen.

Hockney