Clara Immerwahr, eine Märtyrerin

Viel wird in diesen Tagen von Terror und Märtyrern gesprochen, die bei den Islamisten in eins fallen. Ein "Märtyrer" ist demnach jemand, der keine Ethik und Weisheit mehr besitzt, sondern Werkzeug einer Kriegsmaschinerie ist, die in der europäischen "Zivilisation" entwickelt wurde. Es ist eine "Zivilisation", die aber im Grunde eine Militarisation ist. Sie töten und zerstören, säen Angst und vernichten menschliches Leben, Gut und Güte(r). Dem muss Einhalt geboten und sie müssen überwunden werden!

Die wirklichen Märtyrer*innen dagegen handeln im Sinne einer Ethik, in der das Leben heilig ist und als kostbarstes Gut angesehen wird. Leben ist Schöpfung, damit heilig und darf nur gefördert und geschützt, jedoch keinesfalls vernichtet werden. Auch nicht für eine höhere Macht. Es gibt keine höhere Macht als die Schöpfer*in (1), die Abraham verbot, die Söhne von Sarah und Hagar zu opfern.
Dieser Weisheit ist das Opferfest gewidmet. Der Jihad im Islam war der Kampf gegen schlechte Charaktereigenschaften bei sich selbst. Ein*e Jihadist*in ist demgemäß ein*e Muslima, die sich als Kämpfer*in gegen schlechte Charaktereigenschaften ansieht und gegen Neid, Lüge, Habgier, Eitelkeit, Machtwahn etc. bei sich selbst und in der Umma kämpft.

Im Judentum gibt es zum Gedenken den Yom Kippur-Tag. Beide Buchreligionen wiederum haben den Ritus der Beschneidung von männlichen Kindern aus diesem Gebot, die Heiligkeit des menschlichen Lebens zu achten eingeführt.

Menschliches Leben beruht auf der Einheit/Vereinigung von Frau und Mann und die EINS des Monotheismus (es gibt nur EINS/Eine*n) wurde deshalb in diesem Verbot des Tötens menschlichen Lebens ebenfalls besiegelt. Daraus folgte aber auch das Gebot der EINehe, weshalb Hagar mit Ismail in die Wüste geschickt werden musste. *Der Universalismus des Judentums, der im letzten Jahrhundert zerstört wurde, beruhte darauf.

Auch im Islam wird diese EINS (- الله ) betont, während im späteren Christentum die Legende vorherrscht, dass Gott Vater seinen Sohn geopfert habe und die Christen dies im Osterfest feiern. Es wurde eine Trinität (Gott Vater, Gott Sohn und ein Heiliger Geist) in die Religion eingeführt und die Frau (namens Maria) wurde zum Werkzeug und zur Brutstätte eines "Heiligen Geistes" degradiert.

Die meisten Märtyrer*innen gab es bekanntlich im "Urchristentum", als es sich noch um eine jüdische Rebellenbewegung handelte, die gegen Kindestötungen und mangelnde Frauenachtung unter den Römern kämpfte.

Doch nun zurück zu Clara Immerwahr: Ich schrieb am Internationen Tag gegen Gewalt an Frauen einen kritischen Brief an das Präsidium des Zentralrates der Juden in Deutschland, da sich Josef Schuster kürzlich für eine "Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtenden aussprach, die die Ethik jedoch torpediert.
Clara Immerwahr, auf die ich beim Schreiben meiner zivilisationskritischen Abhandlung stieß, war beim Schreiben dieses Briefes meine Muse. Ich bezeichnete sie als Frau, die vom Patriarchat "hingerichtet" wurde. Dies eben deshalb, weil dieses System einen grauenhaften Krieg zu verantworten hatte, in den immer mehr Agenzien hineingezogen wurden, auch die Naturwissenschaften. Ihr Ehemann, Fritz Haber, war ein williges Werkzeug dieser Kriegsmaschinerie und meldete sich bereits bei Ausbruch des Krieges als Freiwiller für den Einsatz. Sie dagegen war gegen die Instrumentalisierung der Naturwissenschaft für Kriegszwecke und insbesondere gegen die Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Sie opferte ihr Leben, um die Massenvernichtungsmaschinerie zu stoppen.

Dabei greift sie zur Dienstwaffe ihres Ehemannes und inszeniert ihren Märtyrertod im Sinne der jüdischen Sozialethik und als Aufbegehren gegen die Zerstörung der EINS (und damit der Heiligkeit des Lebens). Ihr Ehemann lässt sich davon nicht beeindrucken, hatte er doch die EINS (Gleichwertigkeit von Frau und Mann) bereits während der Ehe mit ihr nicht geachtet. 1909 beklagte sich Clara bei ihrem Doktorvater Richard Abegg über "Fritzens erdrückende Stellungnahme für seine Person [...], neben der einfach jede Natur, die nicht noch rücksichtsloser sich auf seine Kosten durchsetzt, zugrunde geht. Und das ist mit mir der Fall." Er geht eiskalt noch am gleichen Tag ihres Suizides zur Ostfront und läßt seinen 13jährigen Sohn, der den Schuss hörte und die Leiche seiner Mutter fand, allein. Und er wirkt als Massenmörder weiter. Er lässt sogar - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit - ihre privaten Aufzeichnungen verschwinden. Nach ihm ist noch heute ein Institut der Freien Universität benannt, während an Clara Immerwahr nur ein kleiner Gedenkstein erinnert. Von dem Leben ihres und dem Freitod ihres Sohnes ist nichts bekannt, außer dass er die Einheit der Ehe im Grab seines Vaters wiederherstellte, der auf der Reise nach Israel (2) 29. Januar 1934 in Basel an Herzversagen verstarb. Bezogen auf den Nachlass von Clara Immerwahr, die sich am 2. Mai 1915 erschoss, schreibt Clara Immerwahrs Biographin Gerit von Leitner: “Eine klare und deutliche Stellungnahme von ihrer Seite während des Krieges ist nicht erwünscht. Es gibt nur noch eine Möglichkeit, nicht Mittäterin zu sein. Als das Haus leer ist [nach der Feier des Sieges in Ypern] und Fritz sich mit Schlafmitteln der Verantwortung entzieht, schreibt Clara über Stunden in Abschiedsbriefen auf, was sie der Nachwelt übermitteln will. ... Das Hauspersonal hat die Abschiedsbriefe gesehen. Wer hat sie vernichtet?”

Das ist die HIStory des Patriarchates, das seit dem letzten Jahrhundert ein Massenmordsystem ist. Es wäre besser gewesen, sie hätte - statt sich selbst - den Massenmörder Fritz Haber getötet.

Gemäß der Ethik der Buchreligionen ist Mord verboten, das Töten von - potentiellen - Mördern jedoch erlaubt, wenn sie bewaffnet sind und es keine andere Möglichkeit gibt, sie "auszuschalten" (3), wie es technopatriarchal heißt. Deshalb ist es falsch, ihren Akt der Verzweifelung, des Protestes und der Kriegssabotage gleichermaßen als Selbst*mord* darzustellen. Dies tun jedoch zahlreiche deutsche Journalisten, die ihr Leben und ihren Tod beleuchten. Ihnen sei gesagt: Ein Mord basiert auf niederen Beweggründen. Und den kann man ihr wahrlich nicht unterstellen. Dazu noch einmal Gerit von Leitner: (...) Bestürzt hat mich, wie Isabelle (eine Urenkelin von Clara Immerwahr) eben erzählt hat, dass sie jahrelang in der Furcht gelebt hat, zu einer „degenerierten“ Familie zu gehören. Das war ja nur eine böswillige Verleumdung...mit der man Clara Habers Freitod als Tat einer erblich belasteten Frau oder sogar als Abartigkeit hinstellte, nur um verantwortliches Handeln und eine Kritik an ihrem Mann, dem Nobelpreisträger Fritz Haber auszuschließen. Ich habe Ende der achtziger Jahre zum ersten Mal in Berlin auf einem Kongressvon Frauen, die in technischen Berufen arbeiten, von dieser Chemikerin Immerwahr gehört, die im 1. Weltkrieg sich erschossen haben soll, um gegen die damals beginnende chemische Massenvernichtung zu protestieren. (...) (3)

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(1) Schöpfen ist mit Wasser verbunden, dem Lebenselexier. Es war und ist überwiegend in primitiven Gesellschaften Frauensache. Das männliche y-chromosom hat sich aus dem weiblichen x-chromosom entwickelt. Erst die patriarchale Wende kehrte das um, so auch in der Genesis (Schöpfunggeschichte) der Buchreligionen. Primitivität wurde abwertend benutzt, wie auch das weibliche Geschlecht abgewertet wurde. Der ursprüngliche Garten Eden, Afrika, die Wiege der Menschheit, wurde zerstört.
(2) Er wurde von Chaim Weizmann nach Israel eingeladen, was übrigens kein "gutes Licht" auf den zionistischen Staat wirft. Im Chemielabor von Fritz Haber wurde später im NS das Zyklon B hergestellt.
(3) wobei ein in die Luft gesprühtes Sofortschlafmittel, also ein Spray oder Aerosol, jedoch geeigneter wäre, als Schusswaffen mit tödlicher Wirkung zu gebrauchen. Im Kampf gegen den Terror könnte dies auch geeignet sein. Statt Giftgas-, DU-oder Phosphorbomben würde ich Schlafmittelbomben und -granaten herstellen lassen, die bei der Explosion sofort alle Terroristen todmüde umfallen lässt. Anschließend könnten sie durch nachrückende Bodentruppen aufgesammelt und gefangen genommen werden. Gäbe es solche Waffen und wären alle anderen vernichtet und verboten, könnte mensch auch wieder von "gerechten Kriegen" sprechen.
(3) Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/die-geschichte-lasst-mich-nicht-los-ein-familientreffen-in.media.af0ed93db36b80db150db9e62b62df88.pdf

Kriegsmaschinerie

http://jwa.org/encyclopedia/article/immerwahr-clara