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'Clerks' - Von der Poesie des Ladenalltags

Wenn Du erst einmal hinter der Kasse stehst und nicht mehr vor ihr, gibt es kein Entrinnen: Zähne zusammenbeißen, lächeln und immer recht freundlich, denn die Kundin ist Königin. Aber was wissen wir eigentlich von den Leuten, die im Lidl lustlos die Waren über das Band schieben, über den Typen im Kiosk, der uns die Zigaretten verkauft?

Mit 'Clerks' setzt Regisseur und Drehbuchautor Kevin Smith eben jenen Leuten ein Denkmal, denn die Helden seines Debuts sind einfache Ladenhüter, keine Schwarzeneggers oder DeNiros. 1994 gedreht, mit einem Budget von nur $27.500 Dollar, erzählt der Film von Dante und Randall und ihren Freund*innen. Dante ist gerade 22 Jahre jung, eher ein Schwächling, der noch nicht weiß, was er in seinem Leben machen soll. Er hat Probleme in seinem Liebesleben und verdient sein Geld in einem kleinen Einkaufsladen um die Ecke. Sein Freund Randall ist Nichtstuer per excellence, ein rüpelhafter Zyniker, der im Filmverleih direkt nebenan arbeitet. Er ist der Alptraum jedes Kunden und jeder Kundin, die auf einen guten Service hofft.

Smith, der selbst hinter der Kasse gearbeitet hat, seziert mit scharfen Blick den alltäglichen Wahnsinn, der einem im Servicebereich begegnet. In neun Episoden, angelehnt an Dantes neun Kreise der Hölle, werden die Geschehnisse eines Arbeitstages von Dante und Randall zusammengefasst. Da sind gelangweilte Angestellte, die ihre Zeit lieber mit der Frage nach dem Schicksal von Sub-Unternehmern auf dem Todesstern verbringen, anstatt Kund*innen zu bedienen. Wir sehen Konsument*innen, die mit ihren extra Wünschen, die Verkäufer zur Weißglut treiben und militante Nichtraucher, die ihre eigene Politik im Laden verfolgen. Gerade die wahnwitzigen Dialoge und skurrile Charaktere machen diesen Film nicht nur authentisch, sondern auch besonders. Wenn nix in die Luft fliegen kann, dann müssen Dialog und Charaktere umso mehr überzeugen können und dies ist die eigentliche Stärke von 'Clerks'.

Als ich den Film das erste Mal sah, wurde er nachts auf WDR ausgestrahlt. Ich war skeptisch, denn Ich war es nicht gewohnt, Filme mit Untertitel zu sehen, und die Low-Budget Produktion in Schwarz-Weiss entsprach auch nicht meinen Sehgewohnheiten. Trotzdem blieb ich dran, weil es damals bei meinen Eltern noch keine zwanzig andere Kanäle gab, auf die ich hätte ausweichen können. Nach zehn Minuten entschloss ich mich, den Film auf VHS aufzunehmen, um ihn wieder und wieder sehen zu können und um ihn mit meinen Freund*innen teilen zu können. Nie zuvor hatte ich einen Film gesehen, der Geekiness und Verlierertum so zelebrierte und ich verdanke es 'Clerks', dass er mich auf die Kriegsverbrechen der Rebellen in 'Return of the Jedi' aufmerksam machte. Das Ganze vor einer Zeit, in der man im Internet an jeder Ecke über Star Wars Referenzen stolpert oder Serien wie 'The Big Bang Theory', die Geekiness erst salonfähig gemacht haben.

'Clerks' bildete den Auftakt der sogenannten New-Jersey-Filme, eine Reihe von loser miteinander verbunden Filmen, die bevölkert sind von teils wiederkehrenden Charakteren, wie zum Beispiel den Kultfiguren Jay und Silent Bob. Gerade das Frühwerk von Smith zeichnet sich durch Witz und Anarchismus aus und feiert die Held*innen und Slacker des Alltags. Leider gehen die spätere Filme aus der Reihe dann doch im faden Mainstream-Tümpel unter; die Fortsetzung von 'Clerks', die 2006 herauskam, ist ein gefühlter zahnloser, alter Haifisch im Vergleich zum frischen Erstling.

Heute, nach zwei Jahren des täglichen Kundenverkehrs im Buchladen, hat 'Clerks' mehr Relevanz für mich als zuvor. Warum wird der Film nicht als Schulungsmaterial im Kundenservice benutzt? Die Filmdialoge sind mein Evangelium geworden, Dantes "I am not even supposed to be here today" mein Mantra, das mich durch den Arbeitsalltag bringt.

LIEBLINGSFILME

https://www.youtube.com/watch?v=dGOVbXF7Iog