Cover-Versionen

Wenn die Empörung, die Campino über Heinos angekündigte Cover-Version von "Tage wie diese" zum besten gibt, nicht so stieselig ernsthaft vorgetragen worden wäre, könnte man das Ganze für eine abgekartete Promotion-Aktion halten. Campino, der sich (immer noch) als Punk versteht, regt sich darüber auf, dass der alte Volkssänger Heino eine seiner von ihm (mit-)getextete Weise so gut findet, dass der sie selber einmal singen möchte.

Campino ist Sänger der Band "Die Toten Hosen", die hauptsächlich Rockmusik mit überwiegend deutschen Texten und Elementen aus dem Punkrock (Power Chords) spielt. Die Band veröffentlichte aber darüber hinaus auch einige Trink- und Karnevalslieder wie "Eisgekühlter Bommerlunder", die in den deutschsprachigen Ländern zu Gassenhauern wurden. Zudem coverte sie selbst gelegentlich die Beatles und die Rolling Stones und intonierte zahlreiche deutsche Schlager und Weihnachtslieder (diese allerdings ganz gschamig unter dem Pseudonym "Die Roten Rosen"). Punk war das alles nun wirklich nicht, eher eine bürgerliche Gelddruckmaschine. Und niemand hat sich in diesem Zusammenhang beschwert, dass böse Jungs brave Lieder singen würden.

"Tage wie diese" ist nun auch nicht gerade ein Punksong in Reinkultur. Das wird allein schon dadurch deutlich, dass er bereits von Helene Fischer und von der Opernsänger-Boygroup Adoro gesungen worden ist. Und nun reiht sich eben Heino in die Interpretenschar mit den Worten ein: "Der Song ist klasse, und ich wollte ihn immer schon singen. Jetzt ist mit dem Stadl ein würdiger Moment gekommen." Etwas mehr Gelassenheit hätte ich von Campino schon erwartet, wenn ihm ein anderer Künstler ein Kompliment macht. Vielleicht wollte er aber auch einfach mal wieder einen kleinen Rebellen, einen Punker eben, und einen Spaßkaputtmacher spielen.

Bevor nun die Phantasie Blasen schlägt: ich höre Die Toten Hosen zehnmal lieber als Heino!

Dass Musik durchaus in sehr unterschiedlichen Stilrichtungen interpretiert werden kann, hat im Übrigen kürzlich der finnische Jazzpianist Iiro Rantala mit seiner Hommage "My Working Class Hero" an John Lennon gezeigt. John Lennon, der mit Jazz nichts am Hut hatte, hätte dies sicherlich so empfunden, wie es gemeint war: als Kompliment.

Punk

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