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Da kotzt das Lektorenherz

Wir Lektoren und Lektorinnen sind ein Völkchen, das es nicht immer leicht mit seinem Beruf hat. Wir verdienen unser Geld mit "Haha, ich hab einen Fehler gefunden, du hast etwas falsch gemacht!"
Manchmal komme ich mir vor wie eine Petze oder eine nervige kleine Siebenjährige, die dir dauernd erklärt, wie du es richtig machen sollst.
Aber es ist nun mal unser Job und unterm Strich helfen wir unseren Kunden mit unserer Arbeit eher, nicht nach dem Veröffentlichen ihrer Werke von Petzen oder Siebenjährigen ausgelacht zu werden.

Es ist unter Lektoren ein ziemliches Streitthema, ob man sich über die Fehler von Kunden lustig machen darf. Manche sagen, dass bei dem Vertrauensverhältnis, dass der Zusammenarbeit zugrundeliegt, ein Sich-lustig-Machen über die Fehler völlig kontraproduktiv wäre. Andere meinen, dass es okay ist, solange man seine Kunden nicht bloßstellt, indem man sie namentlich nennt oder sonstwie zu erkennen gibt, um wen es sich handelt. Andere wiederum sagen, dass der Austausch unter Kollegen durchaus in Ordnung ist, solange die Kunden nicht wissen, wie man über sie spricht.
In Wahrheit gehören Fehler und die Menschen dahinter, die sie produzieren, einfach getrennt und so handhabe ich es auch. Ich kann bestimmte Fehler wahnsinnig lustig finden und trotzdem größten Respekt vor der Person haben, die sie produziert hat. Ich mache schließlich einen Job, bei dem ich immer wieder auf echte Leckerbissen stoße, die einfach an sich lustig sind und nicht bedeuten, dass der Mensch, der dahinter steht, ein Idiot ist.
Ähnlich ist es bei Fehlern von Kollegen. Nein, man schimpft nun wirklich nicht über seine Kollegen und das schon aus egoistischen Gründen, denn die Gefahr ist groß, dass man selbst einmal in die Lage kommt, einen wahnsinnig schlimmen oder lustigen Fehler übersehen oder sogar selbst produziert zu haben.

Viele kennen vielleicht die Facebook-Gruppe "Da kotzt das Texterherz", in der schlimme Formulierungen, missverständliche Ausdrücke, platte Wortwitze und lustige Fehler in Texten aller Branchen gesammelt werden. Immer wieder wird natürlich diskutiert, ob ein kleiner Fehler nun wirklich "schlimm" genug ist, um gepostet zu werden, ob ein Wortwitz nun genial und lustig oder doch eher schlecht ist oder ob die Zweideutigkeit eines Ausdrucks tatsächlich so offensichtlich oder doch eher an den Haaren herbeigezogen ist.
Im Lektorenbereich gibt es eine ähnliche Gruppe, die sich über übersehene Fehler von Kollegen lustig macht, aber hier wird das Ganze ad absurdum geführt. Meistens handelt es sich nämlich natürlich um Fehler, die nicht die Kollegen selbst gemacht haben, sondern solche, die sie nur übersehen haben. Klar, wenn in einem Text über Blasenentzündungen davon gesprochen wird, dass es ein Warnzeichen ist, dass sich Urin im Blut befindet, dann hat es eine gewisse Komik. Aber auch Lektoren sind nur Menschen und wer im Glashaus sitzt, sollte lieber nicht mit Steinen werfen. Trotzdem gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben mit einem guten Lager an Steinen im Glashaus verbringen. Bloß das Leben, das spielt sich draußen ab.

Schlimme Fehler von Lektoren