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Das "Deutschlandlied" als Fangesang? Ich weiß ja nicht...

Seit der WM 2006 in Deutschland ist es bekanntlich wieder gesellschaftlich akzeptiert Flagge zu zeigen - Zumindest wenn es um Fußball geht. Seitdem hängen alle (2) Jahre wieder Deutschland-Fahnen an Masten im Vorgarten, aus Fenstern und an Autodächern. Das ist meiner Meinung nach auch nicht bedenklich. Das bisschen wiedererlangter Nationalstolz tat sicherlich der Seele vieler Deutscher gut. Angesichts der zunehmenden nationalistischen Tendenzen in unserem Land frage ich mich jedoch, wie viel Nationalstolz man sich jetzt noch erlauben kann - auch wenn es nur um Fußball geht. Im Achtelfinalspiel Deutschland gegen die Slowakei vernahm ich zum ersten Mal, dass die deutschen Fans im Stadion in der zweiten Halbzeit kollektiv die deutsche Nationalhymne angestimmten. Bei anderen Fanlagern - vor allem den Franzosen und den Engländern - ist dies schon lange gang und gäbe und wird nun von den deutschen Fans kopiert. An sich ist daran wohl nichts Verwerfliches. Dennoch habe ich Bilder von fahnenschwenkenden Pegida Anhängern in Sachsen oder vor der Reichkriegsflagge posierenden Hooligans in Frankreich im Hinterkopf und habe dann doch ein mulmiges Gefühl. Die deutsche Nationalhymne ist eben ein schweres historisches Erbe. Genauso wie das Skandieren von “Sieg! Sieg!” in den letzten Minuten des Spiels hinterlässt auch die Umfunktionierung des Deutschlandlieds zum Fangesang bei mir einen faden Beigeschmack, wenn auch noch keinen Grund zur Beunruhigung. Die tritt bei mir erst ein, sobald deutsche Fans anfangen die erste Strophe der Hymne (“Deutschland, Deutschland über alles”) anzustimmen. Das hätte mit gesundem Nationalstolz definitiv nichts mehr zu tun und würde den Ruf der deutschen Fankultur nachhaltig beschädigen.

Fußball Europameisterschaft 2016, Nationalismus