Das Unverfilmbare verfilmen?

Mit der Unverfilmbarkeit einiger Bücher ist das ja so eine Sache. Ob „Herr der Ringe“ oder „Game of Thrones“ – viele haben daran gezweifelt, dass man aus diesen Vorlagen etwas annähernd an die Buchvorlagen Heranreichendes machen könnte. Aber irgendwann hat sich dann doch mal jemand getraut, das „Unmögliche“ zu versuchen. Die erfolgreichen Ergebnisse sprechen für sich – wobei man in vielen Fällen sicher darüber streiten kann, inwieweit die Filme/ Serien den Büchern gerecht werden. (Nicht nur) Unverfilmbares zu verfilmen funktioniert ja grundsätzlich nur, wenn man Dinge weglässt, dazu erfindet, anpasst, kurz: Kompromisse eingeht – die dann aber natürlich nicht unbedingt jedem gefallen.

Was „Er ist wieder da“ angeht, hat sich Regisseur David Wnendt entschieden, die Ich-Perspektive aus dem Buch nur in Teilen aufzugreifen und die Ereignisse hauptsächlich von außen zu betrachten, wobei es auch einige Szenen gibt (v.a. am Anfang), in denen wir die Geschichte aus der „Führer“-Perspektive erleben. Die meiste Zeit lernen wir Hitler aber mit den Augen des Journalisten Sawatzki (Fabian Busch) kennen, der IHN bei seinem Comeback-Feldzug mit der Kamera begleitet.

Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen, fand den Film aber im Großen und Ganzen gut, wenn ich am Ende auch vielleicht etwas mehr Eskalation erwartet hätte. Gelangweilt habe ich mich allerdings trotzdem nicht, und ich langweile mich normalerweise ziemlich schnell bei Filmen, die unterhaltsam und lehrreich sein wollen.

Sicher, es werden auch im Film einige Klischees bedient. Andere werden aber auch ironisch gebrochen, was vor allem dank der dokumentarisch wirkenden Szenen gelingt, die den Film m. E. um einiges authentischer und aussagekräftiger machen, als es bei der Buchvorlage nach Boelthors Beschreibung wohl der Fall ist. Und vielleicht kann es ja doch manchmal, wenn auch selten, passieren, dass ein Film etwas schafft, das ein Buch nicht geschafft hat?

Zum Beispiel mochte ich die „Herr der Ringe“-Filme mehr als die Bücher, weil mich Tolkiens gefühlt elend lange Landschaftsbeschreibungen manchmal ein bisschen angeödet haben, die im Film natürlich komplett entfallen und durch eindrucksvolle Bildern ersetzt werden konnten. (Für diese diskussionswürdige Aussage nehme ich übrigens gerne Re-Comments entgegen!)

Natürlich möchte ich weder Boelthor noch andere Skeptiker*innen dazu überreden, sich „Er ist wieder da“ im Kino anzusehen. Man kann ihm aber durchaus eine Chance geben - vielleicht ja später mal auf DVD oder so - denn David Wnendt hat immerhin den Mut bewiesen, sich ausreichend weit von der Vorlage zu entfernen und der Geschichte so neue Facetten hinzuzufügen. Ein Regisseur übrigens, der im Verfilmen des „Unverfilmbaren“ schon vorher Erfahrung hatte: Mit seinem letzten Film hat er es gewagt, Charlotte Roches analfixierten Skandalroman „Feuchtgebiete“ zu adaptieren – und gar nicht mal so schlecht, wie man sich erzählt.

Er ist wieder da

https://www.youtube.com/watch?v=7fJ0Y-r0b_w