Der Hass in uns - eine Selbstbeobachtung

Fernseher an. Nachrichten. Schreckensmeldung um Schreckensmeldung plärrt aus den länglichen Lautsprechern des Geräts. Terror. Angst.
Der Puls steigt, ein ungewohntes Gefühl beginnt durch die Venen meines Körpers zu pulsieren. Trotz. Wut.
Ich bin ein friedfertiger, harmoniebedürftiger Mensch. Ich strebe nach Ausgleich, nach Verständnis. Doch die aktuelle Situation versetzt mich in einen desolaten, rastlosen Zustand. Das Gefühl einer kollektiven Ohnmacht macht sich breit. Verbannt dazu, die erschreckenden Geschehnisse weit entfernt, vor dem Fernseher zu verarbeiten. Um den Informationsfluss zu vergrößern werden wahllos soziale Netzwerke nach verwertbaren Informationsfragmenten durchkämmt. Auch eine von mir ernstgemeinte Solidaritätsbekundung und Anteilnahme schafft es nicht mein Gewissen komplett zu beruhigen, die Ohnmacht schwindet nicht. Die Frage der Motivation drängt sich mir auf. Was bringt einen Menschen dazu so kaltblütig das Leben eines Anderen zu beenden. Das Leben von Kindern zu beenden. Die Antwort ist eindeutig. Hass. Ich reflektiere kurz, halte inne und beginne meine Gedanken zu sortieren. Bin ich nicht gerade selber auf bestem Wege ein hasserfülltes, undifferenzierendes Nervenbündel zu werden? Wird nicht jeder automatisch zum gesellschaftlichen Opfer des islamischen Staates und anderer Agressoren, wenn man sich provozieren lässt, wenn man Uneinigkeit durch Undifferenziertheit fördert?
Ich beginne der Hassoffensive der Terroristen zu trotzen.
Ich beginne wieder, an die Vision eines weltoffenen Europas zu glauben.

Diese kleine Exkursion durch die Intimität meiner Gehirnwindungen, soll die menschliche Komponente während der aktuellen Geschehnisse begreiflicher, verständlicher machen.
In diesem Sinne,
lasst uns weise antworten. Mit Vernunft, nicht mit Ohnmacht.
Mit mentaler Stärke, nicht mit Fragilität.
Mit Entschlossenheit, nicht mit Zögern und mit Menschlichkeit und nicht mit Erbarmungslosigkeit.

Bitte beachtet, dies ist nur eine kurze Impression zu einem andauernden Thema, kein fundierter Beitrag. Ein Fragment aus dem Leben, als solches soll es verwertet werden.

Hasskultur, München, Attentate, Terror

Anzeige: