Der Mensch ist halt keine Maschine

Mann, was haben wir für geiles Zeug und Möglichkeiten mittlerweile. Was man alleine schon mit einem Smartphone bewerkstelligen kann, eigentlich unfassbar. Ich will das jetzt gar nicht alles aufzählen hier. Nur soviel, vor 20 Jahren hätte man ein Auto voll Gerätschaften mit sich führen müssen. Ach das reicht nicht mal, weil was schon alleine richtige Bücher an Platz einnehmen, die man heute in digitaler Form in rauen Mengen auf einem Muckenschiss gespeichert bekommt, da hätte man mindestens schon einen Van gebraucht. Und einige Sachen wären da trotz allem noch nicht mal mit dabei, weil technisch schlicht noch nicht möglich. Eigentlich toll. Aber es ist gleichzeitig auch recht verwunderlich, wie schnell man sich daran gewöhnt. Es wird rasch Normalität. Und das Biest verwöhnter Supergenervtheit findet immer wieder schnell zu einem zurück und rollt sich auf der Schwelle zum Paradis durch Fortschritt zusammen, so dass man nicht mehr gut vorbeikommt. Beispiele gefällig?

Ich kann mittlerweile Kinokarten von unterwegs reservieren. Es geht sehr schnell. Sehr viel schneller als früher jedenfalls, selbst wenn das Internet mal kurz hängt, oder eine Werbung aufpoppt und ich sie erst wegklicken muss. Aber ich reagiere auf Letzteres mittlerweile mit maximaler Ungeduld und einem Hass, als verlangte man von mir, erst durch einen Odeltümpel zu schwimmen und auf der anderen Seite von Kannibalen bis ins Kinofoyer gejagt zu werden, um mir dort meine Karte zu sichern.
Oder. Ich sitze hier in einem Café und schreibe einen Text bei Kaffee und Kuchen. Es klappt auch ganz gut und die Begleitumstände sind superb. Und doch könnte ich bei jedem Vertipper auf dieser scheiß Frickeltatstatur das Phon an die Wand neben mir klatschen.

Gerade eben dämmert mir glaube ich, woran das liegt. Es ist die Geschwindigkeit an sich. Man ist so schnell, dass uns jedes "Stoplern" regelrecht aus der Bahn wirft. Man könnte auch sagen, je schneller man gegen eine Wand rennt, desto größer der Kopfschmerz. Vielleicht ist ein Fehler der heutigen Zeit nicht die Fülle an Möglichkeiten, sondern der mit ihr einhergehende übertriebene Zeitgewinn durch beschleunigte Prozesse, die jedes Hölzlein und Steinchen im Weg zu einer Probe für unser Nervenkostüm werden lassen. Velocity spoils everything!

Die Rettung der Menschheit liegt denke ich alleine in einer Rekultivierung von Langsamkeit. Die Technik darf ruhig schnell und immer schneller werden. Aber sie sollte so gestaltet sein, dass sie mehr auf uns eingeht. Als Mensch. Sie sollte uns nicht wie ein rostiges Zahnrädchen im Getriebe behandeln. Jedes Häkchen, das ich irgendwo erst setzen muss, um voranzukommen, gleicht so dem von mir bemühten Hölzlein im Weg. Da muss sich noch viel ändern.

So, jetzt habe ich sogar Herzstechen, weil ich mich so oft vertoucht habe beim Tippen. Eine Scheiße mit der Scheiße…!!

Langsamkeit

https://youtu.be/ZFsOUbZ0Lr0

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