Der Weltraum lebt

»Der Weltraum, unendliche Weiten...« Kein Spiel schürte die Hoffnungen, die wir seit Kindheitsträumen mit dem Blick in die Unendlichkeit des Alls hegen, so sehr wie es die erste Ankündigung von »No Man's Sky« tat. Ein spektakulärer Technik-Kniff ermöglicht es uns erdgebundenen Kreaturen, ein Gefühl von Unbedeutsamkeit angesichts der Endlosigkeit des Weltraums zu erhaschen. Prozedural generierte Landschaften, Pflanzen und Kreaturen ermöglichen eine immer neue Spielerfahrung. Keiner der 18 Trillionen Planeten gleicht dem anderen. Auf dem einen wachsen gigantische Urwaldriesen in den azurblauen Himmel, andere gleichen kargen Lavalandschaften, hier spazieren mannsgroße, gefiederte Wesen auf zwei Beinen, dort staksen meterhohe, dinosaurierähnliche Kreaturen über den Planeten. Lange Zeit war unklar, wie die Spielmechaniken darunter aussehen würden – schließlich braucht die Spielepresse eine Schublade, in die sie ein jedes Spiel stecken kann, um es bewerten zu können. Nun ist »No Man's Sky« erschienen und angesichts der unerfüllbaren Erwartungen, die jeder Insasse des Hype-Zugs seit Monaten auf dieses Spiel projizierte, war vielerorts Enttäuschung vorprogrammiert.

Dabei ist »No Man's Sky« das, was der Spieler daraus macht. Natürlich ist man einen nicht unerheblichen Teil der Spielzeit damit beschäftigt, zu überleben. Man muss seinen Schutzanzug am Laufen halten, Treibstoff organisieren und wichtige Utensilien bauen. Das alles braucht Ressourcen. Die unermessliche Größe bietet aber auch unzählige Freiheiten. Es steht dem Spieler frei, ob er sich gleich daran macht, das beschädigte Schiff durch den Abbau von Rohstoffen zu reparieren und zur nächsten Welt aufzubrechen, oder Stunde um Stunde auf dem Planeten zu verweilen, das Ökosystem zu studieren und seltsame Artefakte zu erforschen. Es gibt ein Handelssystem, verschiedene Schiffsklassen, Weltraumschlachten mit Space-Piraten und Wurmlöcher. Man kann die Sprachen der außerirdischen Spezies erlernen und Partei ergreifen oder selbst zum Gesetzlosen werden. Wer einen durchgängigen Storybogen erwartet, wird ernüchtert sein. Nur das Ziel ist klar: eine Reise zum Mittelpunkt des Universums. Der philosophische Plot um die Atlassteine, die es zu finden gilt, bleibt bewusst vage. »No Man's Sky« ist die Renaissance der Space-Oper à la »Elite«, ein Sandkasten, in dem man sich nach Herzenslust austoben kann, der aber durchaus noch ein paar Förmchen vertragen kann, die Entwickler Hello Games in den kommenden Jahren bestimmt liefern wird.

Es ist am Spieler, welchen Weg er durch das Weltall einschlägt. Der fantastische Soundtrack der Sheffilder Post Rock-Band 65daysofstatic begleitet ihn ins Zentrum. Das gerade mal 15 Köpfe umfassende Entwicklerteam um Sean Murray schuf die Grundlage. Und die ist atemberaubend schön und eine technische Glanzleistung – und hebt sich angenehm ab, von der Realitätsbesessenheit der milionenschweren Großproduktionen. Am Ende wollen wir doch alle nur träumen.

No Man's Sky

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