Der beste Mix der Leihertanten und Heulbojen

Leider habe ich einen Arbeitsplatz, an dem man der Meinung ist, es wäre verkaufsförderlich, die Kunden rund um die Uhr mit Radiomusik zu beschallen - und entsprechend auch die Mitarbeiter. Diese dürfen sich dann acht Stunden lang am Stück den „besten Mix der tollsten Hits“ anhören, was meiner Meinung nach fast schon an Körperverletzung grenzt. Erstens gefällt mir grundsätzlich keiner dieser „Hits“, wobei ich eigentlich sagen würde, daß ich einen ziemlich flexiblen Musikgeschmack besitze.

Nun ja, aber über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. Aber wenn man schon rund um die Uhr Leihertanten wie Adele („Someone like you“), Katy Perry („Fireworks“), Sia (feat. Sean Paul, „Cheap Thrills“) sowie die männliche Fraktion der Heulbojen wie Joris („Herz über Kopf“), Mark Forster („Wir sind groß“), Revolverheld („Laß uns gehen“) und Andreas Bourani („Auf uns“) ertragen muß – warum gibt es dazwischen nicht mal wenigstens irgendeine Art von Abwechslung oder Lichtblick? Mit den obengenannten Stücken ist nämlich im wesentlichen schon das gesamte Programm genannt, mit dem uns die gängigen Radiosender tagtäglich in der Endlos-Schleife foltern.

Man fragt sich: Sitzen da überhaupt noch echte Menschen, die das Programm planen, oder wird einfach jeden Tag nur das selbe in (wenn überhaupt) leicht veränderter Reihenfolge abgenudelt? Ersteres ist angesichts dieser musikalischen Ödnis der Belanglosigkeit nur schwer vorstellbar.

Manchmal, muß ich sagen, beneide ich da fast schon meinen Kollegen, der schwerhörig ist und, wie er selber sagt, von dem Müll so gut wie nichts mitbekommt. Und freue mich noch mehr auf den Feierabend, wo es als allererstes heißt: Kopfhörer auf, gute Musik an und Gehirn frei pusten lassen von Adele und Co..

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