Der einarmige Pianist

Ich habe heute 3,5 Stunden für 10 Kilometer gebraucht. Das wäre zu Fuß eine mittelmäßige Zeit, mit dem Auto auf einer von Touristen überfüllten Autobahn kurz vor der Grenze ist es eine ziemlich grottenschlechte Zeit.

Gottseidank hatte ich aber ein altes Lieblingsbuch dabei: Oliver Sacks – Der einarmige Pianist.
Sacks, der unter anderem das später verfilmte Buch "Zeit des Erwachens" geschrieben hat, ist ein britischer Neurologe und Schriftsteller und hat sich in literarischer Weise mit ungewöhnlichen und seltenen Erkrankungen beschäftigt (eines meiner Lieblingsgebiete!). Im Februar gab er bekannt, dass er leider an Krebs im Endstadium leidet, was mich wirklich persönlich getroffen hat. Deswegen war eigentlich auch nicht mehr zu erwarten, dass er noch neue literarische Werke veröffentlichen wird. Jemandem wie Sacks ist das aber egal und so schreibt er zum Beispiel Essays über seinen bevorstehenden Tod und wie er damit umgeht, was mich wirklich zutiefst beeindruckt.

Ganz besonders berührt, betrifft, erstaunt und verwundert mich aber "Der einarmige Pianist", in dem Sacks von Fällen in seiner Laufbahn als Neurologe erzählt, bei denen Musik eine große Rolle spielt. Da gibt es Menschen, die geradezu von Ohrwürmern heimgesucht werden und jahrzehntelang daran leiden. Da gibt es Menschen, die vom Blitz getroffen werden und dann plötzlich unheimlich musikalisch sind oder solche, die eine regelrechte Phobie vor Musik entwickeln und panisch werden, wenn sie Musik hören.
Was uns seine Geschichten über uns, unser Gehirn und darüber, wie wir Musik erleben, erzählen können, ist manchmal haarsträubend, manchmal gruslig, oft wunderschön und erstaunlich, in jedem Fall aber unglaublich interessant und einfach wert, dieses Buch immer wieder in die Hand zu nehmen.

Oliver Sacks

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