Des Herzogs neue Kamele

Nach über 60 Filmen hat Deutschlands einziger Kino-Gigant Werner Herzog erstmals eine Frau in sein Universum aufgenommen! Ausreichend radikal und rebellisch ist diese britische Archäologin Gertude Bell allemal. Bildgewaltig wie gewohnt, zaubert Kinotraum-Maschinist Herzog aus der Biografie über eine visionäre Forscherin ein visuell furioses Wüstenopus. Sein langjähriger Kameramann Peter Zeitlinger weiß, was er dem Maestro schuldig ist und begibt sich schon mal unerschrocken zwischen eine Herde höchst nervöser Dromedare. Unterdessen entdeckt Herzog neben den Frauen auch mehr denn je den Humor. Als eitler Gockel gerät der selbstgefällige James Franco zu einer Parodie seiner selbst – die poetischen Ergüsse etwa muss er vor Geiern abliefern. Kreischalarmauslöser Robert Pattinson wirkt in seinem bunten Kostüm wie beim Fasching. Und dann gibt es noch Dialoge wie diese: „Danken Sie Gott, dass sie keine Deutsche sind“, sagt der Scheich. „Dafür danke ich jeden Tag!“ antwortet die britische Lady. Dass die 48-jährige Kidmann für diese Rolle etliche Jahre zu alt ist? In der Welt des Werner Herzog ticken alle Uhren anders! Da darf es bisweilen auch etwas zu viel Kitsch-Kalorien geben. Schließlich ist dies sein erster Frauen-Film. Alles andere wäre Majestätsbeleidigung am König Ludwig II des Kinos.

Königin der Wüste

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