Deutschland

Für viele ein heikler Begriff, für einige die schiere Provokation und für nicht wenige etwas, was sie nur in Zusammenhang mit Erfolgen im sportlichen Bereich für sich in Anspruch nehmen möchten. Für mich, der vermutlich mehr dänische als deutsche Wurzeln hat, dennoch etwas, worüber ich immer wieder in 2015 mit durchaus gemischten Gefühlen nachgedacht habe. Beginnen wir mit Pegida, eine Bewegung, die in ähnlicher Form in Deutschland aber auch in anderen Ländern dann aufflackert, wenn die gesellschaftspolitische Diskussion die breite Masse bewegt und die dann zwangsläufig auch dazu führt, dass Minderheiten und deren Meiningsbild erkennbar wird. Das mag erschreckend sein, es ist aber eben auch die Realität in einer pluralistischen Gesellschaft und positiv empfinde ich, dass diese Bewegung nur für eine deutliche Minderheit attraktiv geworden ist. Wenden wir uns dem Hilfspaket für Griechenland zu, auch hier gab es eine breit angelegte monatelange Diskussion, die in den Entschluss mündete, Griechenland zu helfen. Hier hatte man den Eindruck, dass es weniger die deutsche Bevölkerung und mehr die europäischen Nachbarn waren, die gerne ein anderes Ergebnis begrüsst hätten. Ähnlich unsolidarisch kann man die Haltung vieler nicht nur europäischer Staaten zur Flüchtlingspolitik beurteilen, Deutschland mag zunächst zu wenig getan haben, in der Gesamtschau kann man nicht behaupten, dass dieses Land sich nicht gekümmert hätte. Dann die Anschläge auf die Meinungsfreiheit in Paris und Kopenhagen und der mehrfache Angriff auf unsere westliche Lebensart wiederum in Paris. Die Reaktion auf diese Ereignisse führt nun zu etwas, was durchaus heikel ist, zu einem weiteren Auslandseinsatz der Bundeswehr.
Ich finde nicht, dass wir seit 70 Jahren in Frieden leben, zumindest gab es und gibt es meherere bewaffnete Einsätze der Bundeswehr, man muss das vielleicht nicht mit dem Begriff Krieg belegen, Frieden ist aber doch etwas anderes. Ich finde es auch nicht übertrieben, dass viele Europäer Angst vor dem IS, dem sich nun anbahnenden Konflikt und den von einigen geradezu krankhaft herauf beschworenen terroristischen Gegenreaktionen in ihren Heimatländern haben. Europa ist erstaunt über Deutschland, weil Deutschland anders als andere Länder keinen Rechtsruck erfährt, sich deutlich freundlicher gegenüber Flüchtlingen verhält und auch bei militärischen Auseinandersetzungen eher Zurückhaltung übt. Deutschland wird gerade in 2015 viele überrascht haben, mich auch.

MEIN (UN-)WORT DES JAHRES