Die Angst der Deutschen vor Terroranschlägen

Die Bilder der Terroranschläge lösen bei Menschen oft eine große Angst aus, dass sie (oder Bekannte) selbst Opfer eines terroristischen Aktes werden könnten. Was ist wirklich: Seit 2001 sind in Europa 247 Menschen durch Terroranschläge ums Leben gekommen, davon in Deutschland gerade mal zwei (Frankfurter Flughafen, März 2011). Im selben Zeitraum sind bei Stürmen in Deutschland 256 Menschen tödlich verunglückt und während der Hitzewelle 2003 sollen 9.000 Tote gezählt worden sein. Seit 2001 sind etwa 50.000 weitere Menschen gestorben, weil sie in einem Krankenhaus ein falsches Medikament gekriegt haben. Dem gegenüber ist es folglich vergleichsweise unwahrscheinlich, Opfer eines Terroranschlags zu werden, wahrscheinlich viel geringer, als vom Blitz getroffen zu werden oder 6 richtige im Lotto zu haben.

Da die Medien pausenlos über den Terror berichten, werden die Menschen permanent an die Bedrohung erinnert. Ihre Angst wird geschürt, dass es auch Deutschland und einen selbst treffen könnte. Sie überschätzen die Risiken sehr stark, wenn diese dauernd in allen Medien sichtbar sind und so entstehen irrationale Ängste. Die Angst und die daraus resultierenden Reaktionen richten mehr Schaden an als die Anschläge selbst, insbesondere durch die fortschreitende Einschränkung von Freiheitsrechten. Die Medien nutzen diese Angst natürlich gerne, um für gewinnbringende Werbebotschaften noch interessanter zu werden.

Auch die Politik könnte ein Interesse daran haben, um mehr Kontrolle auszuüben und den Polizei-, Grenzschutz- und Militärapparat weiter auszubauen. Das Volk hat Verständnis dafür, es beschwert sich kaum einer darüber. So werden z.B. die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen klaglos hingenommen, und bald wird es wohl auch kaum noch Widerstand gegen die jüngst beschlossene Vorratsdatenspeicherung geben.Es würde mich auch nicht wundern, wenn in den Straßen Deutschlands bald an jeder Ecke eine Überwachungskamera hängt, wie es jetzt schon in England der Fall ist.

Es ist zu vermuten, dass es auch bei uns früher oder später einen Anschlag geben wird. Aber die ständige irrationale Angst davor kann auf Dauer zu körperlichen Symptomen und Schlafstörungen führen. Es gibt viele Menschen, die schon davon betroffen sind. Sie vermeiden die Öffentlichkeit, gehen nicht mehr ins Kino, in Konzerte oder in Stadien. So berauben sie sich selbst dieser Lebensqualität.

Manche betrachten alles als potentiell gefährlich, was außerhalb ihrer eigenen 4 Wände ist. Kurios dabei ist, dass wir zwar zu Hause vor Terroranschlägen relativ sicher sind. Es ist aber auch bekannt, dass die meisten Unfälle mit Todesfolge in Haushalten passieren. Es ist weitaus riskanter, auf der Leiter eine Glühbirne auszutauschen, als draußen das Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Viele Menschen haben nicht nur Angst vor dem Terror, sondern es bildet sich eine Angstspirale. So sinkt die Toleranz gegenüber andersartigen Menschen und Ausgrenzungen nehmen zu (auch organisiert). Es werden härtere Strafen für alle Arten von Verbrechen gefordert.

Zudem hat die Angst vor Terroranschlägen eine lähmende Wirkung auf die gesamte Wirtschaft. Sowohl die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze der verängstigten Bürger, als auch die Militärausgaben für Auslandseinsätze der Bundeswehr, werden immer teurer und aufwändiger. Haben wir noch die richtige Balance zwischen den Risiken des Terrorismus und den Kosten der Sicherheit?

Ziel der Terroristen, die sich auf den Islamismus berufen, ist es, alles Lebensfrohe (sogar die Musik) zu unterbinden. Sie unterdrücken die Menschen, insbesondere die Frauen und missachten dabei sämtliche Menschenrechte (auch das der Glaubensfreiheit) und rechtfertigen das mit ihrem Glauben. Sie gewinnen Macht über uns, wenn wir uns vor ihren Gräueltaten fürchten, und das wollen sie.

Vielleicht sollten wir die Anschläge im Geiste als Unfälle einordnen, statt uns verrückt zu machen (was ist an einem Opfer eines terroristischen Bombenattentates schrecklicher, als an einem Verkehrstoten?).

So würden die Terroristen ihr Ziel nicht erreichen.

Terrorismus

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