Die Perle der Karibik

Mein Favorit des diesjährigen Hofbauer-Kongresses, wobei ich gestehen muss, dass Zeit und Finanzen mir auch nicht gestatteten, diesmal mehr als drei Filme zu sehen.

"Die Perle der Karibik" (1981) von Manfred Stelzer ist ein Großod des kleinen Films und ich werde ihm unmöglich gerecht hier. Hat mich "Der Monarch" auf einem früheren Kongress schon geflasht, schafften es derselbe Regisseur und Hauptdarsteller nocheinmal. Von Diethard Wendtland in der Rolle des Diethard (äh…ja…) geht eine seltsame Faszination aus. Ein wenig erinnert er an Helges "Johnny Flash" mit ganz ähnlichen Manirismen zum Teil. Möglicherweise hat sich Helge hier ja ein bisschen was abgeguckt?

Diethard spielt einen deutschen Spießer aus dem Bilderbuch, dem zum Leben eine entscheidende Sache fehlt. Ein Weib. Andere haben das ja schließlich auch, nebst Auto, Fernseher und sonstigen Einrichtungsgegenständen. Und weil man Sachen bequem aus dem Katalog ordern kann, bestellt er sich eine Südseeschönheit beim großen Alfred Edel, der ein entsprechendes "Warenhaus" betreibt. Dann trifft sie eines Tages auf dem Münchner Flughafen ein. Banani!  Diethards Leben ist fortan nicht mehr das was es war. Leider ist es auch gar nicht so, wie er sich das gewünscht hat, denn Banani ist der genaue Gegenentwurf zu ihm. Er langweilig, prinzipientreu und deutsch. Sie kreativ, witzig, ungelehrig und lebensfroh. Er wollte eine Art Haustier mit Haushaltsführungsfähigkeiten. Sie einen Mann. Und einen höheren Lebensstandard vermute ich mal, als in ihrer Heimat. Während Diethard die ganze Zeit verzweifelt versucht sie zu einer traditionellen deutschen Hausfrau abzurichten, stellt sich Banani grundsätzlich quer. Nicht weil sie eine Lernschwäche hätte oder so. Sie ist ca. zwanzigmal intelligenter als er, lebendiger und auch ein wenig verrückt. Aus diesem Spannungsverhältnis bezieht "Die Perle der Karibik" einen Großteil seiner Komik. Aber nicht nur daraus. Der Film wartet mit einer Armee unfassbarer Typen auf, die eigentlich alle einen eigenen Film verdient hätten. Es gibt Augenblicke, die sind schlicht großes Kino. Und dann ist Alisa Saltzman als Banani ziemlich grandios. Diethard und sie spielen sich gegenseitig an die Wand. Jeder auf seine Weise. Ich habe mich sofort in sie verliebt. Mir dürfte sie ohne Weiteres die Wohnung in einen karibischen Außenposten umbauen. Jedenfalls sind die Tage des ungleichen Paares gezählt und am Ende ist sie fort. Diethard hat die ultimative Chance seines Lebens verpasst, übersehen, nicht bemerkt. Gerade, als er vielleicht dabei war, etwas zu kapieren, kehrt er in seine leere und in den Urzustand zurückversetzte Wohnung zurück und wird wohl auch alleine bleiben, bis an's Ende seiner Tage.

Ich fand das schon deswegen tragisch, weil ich trotz seiner betonartigen Spießigkeit auch immer so einen brauchbaren Kern bei ihm zu verspüren glaubte, was der Schluss ein bisschen nahelegt. Sein Zustand war nicht total hoffnungslos. Aber schlimm. Irgendwie wäre es cool gewesen, dem großen Erwachen Diethards beizuwohnen und zu sehen, wie er in ihre Welt einzieht, mit ihr quasi Fremder im eigenen Land wird. Wie er alle seine Spießerfreunde verliert und dafür doch ein richtiges Leben gewinnt. Aber das wäre dann doch zu viel Schmalz und Hollywood. "Die Perle der Karibik" bleibt so wenigstens ein konsequenter satirischer Axthieb auf deutsche Befindlichkeiten.

Den "Monarchen", eine Art Mockumentary über einen Zocker, der Geldspielautomaten ausnimmt, und zwar spielend, nicht knackend, dürfte noch auf Youtube zu finden sein. Anschauen!

Hofbauer-Kongress