Die Spalte

Wenn das Hofbauer-Kommando zum Filmkongress lädt, löst man mit der Eintrittskarte ein Ticket in eine ferne Galaxie. Eine Galaxie, deren meist windschiefen Sternsysteme wohl nach und nach in das zentrale schwarze Loch stürzen werden und kurz davor noch einmal vor die Photonenkanone des hiesigen Projektors schlingern, um einen schmierigen letzten, nikotingelben Abdruck auf der Leinwand und damit auf unseren staunenden Netzhäuten zu hinterlassen, ehe sie der Essigfraß für immer mit sich reißt. Es sind oftmals krude Machwerke, billigst und schnell produziert, nicht selten scheinheilig in ihrer vorgeblich aufklärerischen Haltung oder schonungslos offen, weil sie eine Freiheit genießen, wie sie ihnen einst wohl nur der Schmuddelfilm des Bahnhofkinos einräumte, um tatsächlich schmutzige Finger in offene Wunden der Gesellschaft zu legen, mit der Absicht berechtigten Schmerz zuzufügen.
"Die Spalte" (1971) von Gustav Ehmck ist so ein unangenehmer Vertreter.
Erzählt wird die Geschichte eines vierzehnjährigen Heimkindes, das ausbüxt und in die Hände eines Zuhälters gerät, der sich seiner annimmt, um mit ihm letztlich tüchtig Reibach zu machen. Jede Konfrontation mit einem Freier endet hier praktisch in einer Vergewaltigung, denn Sophie hat sich dieses Leben nicht ausgesucht und sträubt sich dagegen. Doch die zahlende Kundschaft weiß sich zu helfen. Meist mit Gewalt.
Durch seine rohe Ästhetik besitzt der Film so einen dokumentarischen Einschlag, was der Rezeption die Möglichkeit nimmt, Unangenehmes durch eine Trashfilm-Funbrille zu filtern. Es gibt keine Filmmusik. Trotz des Schnellschuss-Charakters wirken die Vergewaltigungen in "Die Spalte" recht realistisch, gerade weil hier kaum inszeniert wird, die Kameraeinstellungen lange sind und dicht am gruseligen Geschehen bleiben. Die Kameraarbeit allgemein ist wenig schmuckvoll und doch wartet sie manchmal mit Bildern deprimierender Schönheit auf, die in einer Vernisage gut aufgehoben wären. Insgesamt eine Erfahrung, wie sie wahrsheinlich nur diese Art von Film bietet. Gleichzeitig auch ein relativ unverstellter Blick auf eine lange zurückliegende Dekade, die nirgends einen Deut aufpoliert, sondern mit dem nüchternen Auge des mittellosen Films eingefangen wurde. Nach so einem Streifen hätte man gerne geduscht. Sehenswert ja. Empfehlung nicht unbedingt.

Hofbauer-Kongress

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