Die Sterne befehlen nicht

„Die Sterne befehlen nicht, aber sie machen geneigt“(Goethe), ihn hat so manches umgetrieben. So war er neben Minister und Naturforscher auch Hobby- Astrologe, doch bei allem war er primär ein Mensch des Wortes und so wird diese Stolperfalle, das Hintersinnige in seinem Ausspruch wohl nicht zufällig sein. Die Sterne befehlen nicht, aber sie machen geneigt, das klingt erst einmal wie: es wird alles nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Aber das Neigen kommt vor dem Fallen, es ist eine Schräglage nicht ausbalancierter Gewichtungen. Es zieht mich, gibt keine Ruhe, wer kennt das nicht? Die Sterne befehlen nicht. Leider, denn gegen Befehle habe ich eine klare Abneigung, da entziehe ich mich, leiste Widerstand. Meinen Neigungen hingegen, das, wohin es mich zieht und das mir immer zu kurz gehalten wird, denen schaffe ich nur zu gerne Gelegenheiten. Kleine Lügen, große Lügen, Doppelleben, doppelte Buchführung. Was tun wir nicht alles, um unseren Neigungen nachzugehen? Meistens durch die Hintertür, mit einem "take a walk on the wild side". Wenn das meinem Naturell entspricht, kann das sogar Spaß machen. Aber die meisten Naturells sind nicht homogen und ich komme mit meinen unterschiedlichen Anteilen in Konflikt, oder wie noch einmal Goethe es ausdrückte:“, halb zog sie ihn, halb sank er hin“. Wie ich geneigt bin und was ich lieber vermeide, das zeigt die Symbolik des Horoskops. Gibt es dort z.B. eine Neigung zum Kontrollzwang, dann empfinde ich mich nicht als zu eng und leide darunter, dass ich nicht mal loslassen kann, ich empfinde mich als leichtfertig, nachlässig, naiv, wenn ich nicht kontrolliere. Trage ich aber gleichzeitig auch eine rosarote, neptunische Brille, dann, komme ich in ein Dilemma. Denn prüfe und kontrolliere ich, komme ich mit den vertrauensvollen Anteilen in Konflikt, glaube und vertraue ich, dann steht der Kontrollzwang auf. Kontrollieren und Vertrauen sind an sich ein gutes Team, aber hier arbeiten gegeneinander und behindern sich gegenseitig. Wie stark eine Neigung ist, auch das lässt sich am Horoskop ablesen. Aber nur als Potential. Nicht jeder lebt seine Potentiale - die Sterne befehlen eben nicht. Aber natürlich vergleiche ich diese Potentiale, wenn z.B. ein Paar in Beratung kommt und ich prüfe auch, ob und wo die Latenz zur Umsetzung mehr oder weniger anzunehmen ist. Ein Paarvergleich ist so etwas wie ein astrologischer Laborversuch, man überschaut die möglichen Reaktionen und zeigt sich zwischen den Potentialen ein auffälliger Unterschied, dann muss man ihn zur Sprache bringen. Gerade in der Werbephase legen wir gerne ins Schaufenster, was wir nicht gar nicht auf Lager haben. Die im Horoskop zu lesenden Neigungen erweisen sich dagegen eher als strukturell. Sie sind Teil des Bauplans, auch wenn sie oft über Jahre in Lauerstellung verharren. Was sie dann durchstarten lässt, das kann man im Kursbuch der NASA für Planetenpositionen, den Ephemeriden, nachlesen. Die daraus zu ersehende Begegnung von Neigungen mit Unruhestiftern lässt mich dann aufmerken. Ein berüchtigter Unruhestifter ist der Uranus, sinnfälliger Weise wurde er zur Französischen Revolution entdeckt und seine Wirkungsweise lässt sich mit dieser gut illustrieren: das notwendige Neue versucht sich notfalls mit Gewalt gegen das überholte Alte durchzusetzen. Uranus benötigt 84 Jahre um einmal durch den Tierkreis zu laufen, d.h., auf dem halbem Weg durch diesen Kreis steht man sich selbst gegenüber. High noon, der Scheriff und der Bösewicht, who is who? Dieser Show-down findet im Alter von 40 – 44 Jahren statt, man wird gezwungen sich ins Gesicht zu sehen. Midlife-crisis, die Neigung nach Veränderung in diesem Lebensabschnitt ist so typisch, dass wohl alle von uns über Beispiele verfügen. Wenn nun diese Tendenz zu Umbruch und Neuanfang schon im Geburtshoroskop auftaucht und diese Neigung unübersehbar ist, dann weist der Astrologe natürlich darauf hin. Sollte bei der Paarberatung die Venus des einen (klar, steht für die Liebe) mit dem Mond, also der Bereitschaft, fremden Glanz zu widerspiegeln, verbunden sein, der Liebesplanet des anderen sich aber mit einem Unruhestifter verbinden, dann besteht die Gefahr, dass der mit dem Mond dann auch irgendwann in den Mond gucken muss. Der Mond steht für die Mutter und die Gefühlsmuster, die sie uns überträgt. Die Venus reflektiert nicht, sie hat auch astronomisch gesehen ihr eigenes Licht und so ist sie auch astrologisch eine aktiv zu nutzende Kraft, die – oh heilige Symbolik – sich zudem auch anders herum wie die meisten Himmelskörper dreht. Mond und Venus kommen sich am Himmel und in der Liebe manchmal ganz nah. Aber das ist nicht die Regel, denn Eros und Mutterliebe stehen für recht verschiedene Neigungen. Neigungen sind hartnäckig. In den Kursen für astrologisches Malen, die ich gebe, erfährt der Planet Venus als gemalte Symbolik im Malprozess ständig neue Ausdeutungen. Ihre Energie wird offenbar und In dem Maße, in dem sich diese gemalten Bilder ändern, ändert sich auch das Wunsch-Bild, das Bild vom Schönen und der Liebe, denn - die Sterne befehlen nicht.

Sonne, Mond und Sterne