Die Zuckerberg-Spende und ihr Echo

Eigentlich hörte es sich sehr generös an, als Mark Zuckerberg bekanntgab, dass er vorhabe, 99% seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Sicher, wenn es um einen Gegenwert von 55 Milliarden US$ geht - die Zahlen schwanken - so bleiben ihm immer noch rund 500 Millionen US$ an Vermögen, was immer noch mehr ist, als ein Mensch in seinem Leben verballern kann. Er und seine Kindeskindeskinder haben damit weiterhin ausgesorgt. Von daher macht dieser Schritt im Grunde keinen Unterschied. Aber es ist doch nett, dass da mal einer nicht in seinem Goldspeicher sitzt wie Dagobert Duck und nur darüber nachdenkt, wie er den Spiecher noch ein kleines bisschen weiter füllen kann. Sollte man wenigstens denken.

In Deutschland kam jedoch sofort eine Neiddebatte auf mit dem Tenor, Herr Zuckerberg solle lieber Steuern zahlen, als sich als Mäzen zu betätigen. Natürlich ist an dem Argument etwas dran. Einerseits wird Zuckerberg seine Stiftung nicht mit Barmitteln bestücken, sondern mit Unternehmensanteilen, wie Forbes richtigerweise herausstellt. Zuckerberg muss diese Unternehmensanteile also nicht erst verkaufen, wobei er gleichzeitig die Gewinne aus diesen Anteilen realisieren und steuerlich geltend machen müsste. Er lässt die Anteile in eine Stiftung einfließen, und wenn die Stiftung die Anteile dann verkauft, zahlt sie keine Steuern darauf, weil sie ja gemeinnützig ist. Insofern ist die Aktion vom steuerlichen Gesichtspunkt her durchaus genial. Gleichzeitig behält Zuckerberg durch seine Kontrolle über die Stiftung weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen. Damit weißt die Uneigennützigkeit bereits leichte Lackschäden auf.

Das rechtfertigt aber trotzdem nicht den Shitstorm, den Zuckerberg dafür einstecken musste. Fakt ist, dass mit der Einrichtung der Stiftung ein Millardenbetrag dauerhaft für soziale Tätigkeiten zur Verfügung stehen wird. Es ist aus Sicht des Stifters folgerichtig, einen solchen Schritt zu gehen, denn durch die Einrichtung der Stiftung hat er weiterhin die Kontrolle darüber, welche gemeinnützigen Zwecke mit den Mitteln gefördert werden. Wer fordert, Zuckerberg habe lieber Steuern zahlen sollen, anstatt diese Stiftung einzurichten, muss sich die Frage stellen lassen, ob er wirklich glaubt, dass der Staat sinnvoller mit diesem Geld umgehen würde. Schließlich kümmert sich ein Staat nicht nur um Schulen, Sozialprogramme und Umweltschutz, sondern auch um Gefängnisse, Rüstung, den Einsatz seiner Armee und einen ständig wachsenden Sumpf an Bürokratie. Wer sein Geld steuersparend in eine Stiftung investiert, tut dies möglicherweise aus dem Antrieb, selbst bestimmen zu wollen, was mit diesem Geld passiert. Wenn dies zu gemeinnützigen Zwecken passiert, sollte die Gesellschaft eigentlich kein Problem damit haben.

Mark Zuckerberg

http://www.forbes.com/sites/robertwood/2015/12/02/the-surprising-math-in-mark-zuckerbergs-45-billion-facebook-donation/