Echte Gefühle - ein Experiment.

Es klingt ja echt banal: Zwei einander wildfremde Menschen sehen sich eine Minute lang in die Augen. Das ist auch schon der ganze Versuchsaufbau. Umso erstaunlicher die Reaktionen der Teilnehmenden (s. Referenz): Als „wunderschön“ und „meditativ“ wird diese simple Erfahrung beschrieben, von "happiness" ist die Rede, und ganz ironiefrei werden Aussagen wie „Menschen finden zueinander" gebraucht. Wow! Eine der Teilnehmerinnen gibt sogar an, geweint zu haben bei dieser anscheinend hochemotionalen Erfahrung – eine Reaktion, die vermutlich nicht eingetreten wäre, hätte man sich z.B. via Skype in die Augen gestarrt.

Leider war ich in Berlin nicht dabei, finde es aber faszinierend, wie wenig es anscheinend doch braucht, um die Menschen im Hier und Jetzt "einander näher zu bringen". Da stellt sich mir doch irgendwie die Frage, ob uns nicht mit all dem digitalisierten Connecten und Socializen und mit den abertausenden kleinen Glückssurrogaten, die uns das Netz im Überfluss anbietet, vielleicht etwas Elementares abhanden gekommen ist. Das Bewusstsein für den Wert realer, non-verbaler Kommunikation vielleicht? Wie sonst ist es zu erklären, dass so viele Leute so stark auf dieses Experiment reagiert haben?

Also, Ihr alle, die Ihr verzweifelt nach ein bisschen Nähe, Glück und Entspannung im Leben sucht: Vielleicht einfach mal den Blick vom Smartphone (oder Buch, ha ha!) schaben, sich einen echten Menschen krallen und ihm eine Minute lang in die Augen gucken. Zur Ruhe kommen, sich versenken, sich verbunden fühlen – all das soll dann laut Experiment angeblich eintreten können, und Ihr braucht noch nicht mal WLAN dafür!

Analog is nich für'n Arsch

http://ze.tt/wir-waren-beim-augenkontakt-experiment-in-berlin/