Eine Oase am Stadtrand Teil 1

Manchmal bin ich doch selber überrascht, was Hamburg für kleine Schätze für seine Bewohner bereithält. Radio Hamburg wirbt gern mit dem Slogan "Hamburg, die schönste Stadt der Welt" und ohne zu übertreiben, ich finde das auch - Hamburg ist die schönste Stadt der Welt.

Meine Freundin hat am Stadtrand, in Hummelsbüttel, mehrere Weiden gepachtet, die sie wieder an Pferdebesitzer untervermietet mit Offenstallhaltung. Wir verbrachten viel Zeit (von 2003 bis Mitte 2006) auf den Weiden, unsere Kinder, sie hat einen Sohn und ich einen Sohn und zwei Töchter, konnten dort neben den Pferden auch weitere Tiere und die Natur kennenlernen. Genau gegenüber befindet sich ein ominöser Holzsichtschutzzaun, der ein ziemlich großes Gelände umschließt. An einem der Tore befand sich eine Übersicht mit Sportarten, die dort ausgeübt werden konnte. Da standen aber neben den üblichen bekannten Sportarten, wie z. B. Tischtennis, Bogenschießen und Pétanque auch Sportarten, die ich noch nie gehört habe: Indiaca und Ringtennis! Was bitte sind das für Sportarten?

Obwohl es 2006 Google bereits gab, rätselten wir immer wieder, was das wohl für Sportarten waren. Eines Tages hing ein Schild am Zaun und lud zum Tag der offenen Tür ein. Das Gelände, 100.000 qm, kann besucht und Sport und Sauna ausprobiert werden! 100.000 qm! Na, da habe die sich doch bestimmt vertan, da ist doch bestimmt eine Null zu viel! Trotzdem wollten wir an diesem Tag mal rüber und uns das Gelände ansehen. Gesagt - getan, wir machten uns auf den Weg, um uns das Gelände anzuschauen.

Am Tor warteten einige Leute, die interessierte Besucher gern rumführten. Uns hatte eine ältere Dame herumgeführt. Tja, nach ungefähr der Hälfte war meiner Freundin und mir klar, bei der Angabe der Größe lag kein Fehler vor, das Gelände ist riesig. Es befinden sich dort 2 Naturseen, eine kleine urige Sauna in einem umgebauten Schindelwagen, verschiedene Sportfelder und Wohnwagen. Unsere Frage, ob das ein Campingplatz sei wurde verneint. Es sei ein gemeinnütziger Verein und der seinen Mitgliedern die Möglichkeit bietet, dort einen Stellplatz zu mieten. Und wo ist der Haken?

Ehrlich gesagt waren wir etwas erschlagen, die Natur war so gewaltig und so wunderschön. Auch die zweite Hälfte hielt noch einige Überraschungen bereit. Am Vereinshaus gab es Kaffee und Kuchen und auf den Sportfeldern konnten wir nun endlich sehen, was und wie Indiaca gespielt wird. Eine etwas andere Sportart! Wir wurden auch gleich angesprochen, ob wir Indiaca ausprobieren wollten. Wir wollten und es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Wir hielten uns einige Stunden dort auf, wieder am Tor angekommen wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten mal reinzuschnuppern. Den Verein und seine Vielfalt kennenzulernen. Es muss doch einen Haken geben!

Es bestand die Möglichkeit einen Monat für 25,-- € oder bis Ende des Jahres für Familien, 2 Erwachsene und Kinder für 100,--€ bzw. Einzelpersonen auch mit Kinder für 70,-- €. Ich war etwas mutiger als meine Freundin und hab gleich das Angebot für 70,-- € gewählt. Wir wurden dann gefragt, ob wir Kinder hätten, als wir antworteten waren alle völlig aus dem Häuschen! Der Verein wünschte sich so sehr Familien mit Kindern. Wo zum Teufel bleibt der Haken???

Wir wollten wissen, wie heißt der Verein eigentlich? Es ist der HSN e.V. und das heißt was? Hamburger Sport und Naturismus e. V.! Endlich kam der Haken, also damals war es einer - heute ist es keiner mehr! Naturismus - was bedeutet das? Uns wurde erklärt, dass die Mitglieder die Möglichkeit haben, sich unbekleidet auf dem Gelände zu bewegen bzw. einige Sportarten unbekleidet ausüben können. UNBEKLEIDET - also NACKT, so ganz ohne Kleidung?! Meine Freundin winkte gleich ab, ich musste noch einmal nachfragen, das war für mich so abstrakt. Wer macht das denn heutzutage? Jetzt waren doch auch alle angezogen. Mir wurde dann erklärt, dass kein Zwang dahinter steckt, niemand muss sich unbekleidet auf dem Gelände bewegen, der einzige Bereich, der grundsätzlich textilfrei genutzt wird, sind die Seen. Also gebadet wird immer textilfrei!

Hmmmm, ich hatte bis dahin noch nie was mit Naturisten am Hut gehabt, aber ich wollte dieses Gelände nutzen. Ich habe das Angebot noch am Tor abgeschlossen, gleich bis Ende des Jahres, und erntete von meiner Freundin einige böse Blicke. Man händigte mir einen Schlüssel aus, erklärte mir, dass ich somit Zutritt zum Gelände habe und es ab sofort nutzen konnte. Wie ich hinbekommen sollte unbemerkt und vorallem unbekleidet ins Wasser kommen sollte, wollte ich mir später überlegen. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch an den Sommer 2006 erinnert, aber der war sehr warm und während in und um Hamburg alles was Wasser hatte, wegen Überfüllung geschlossen war - saß ich mit meinen Kindern von Montag bis Freitag alleine an der Kinderbadestelle.

Hamburger Sport und Naturismus e. V.