Eine Party taugt nicht für gute Vorsätze

Der Jahreswechsel ist ein Wendepunkt. Der alte Zyklus ist vergangen, ein neuer beginnt, die Natur regeneriert sich um bald von Neuem in allen Formen und Farben zu gedeihen. Die Menschen feiern den Jahreswechsel mit allerhand Festen, Ritualen und verbinden ihn mit allerhand Traditionen. Dazu gehört, „neu“ beginnen zu wollen, alte Laster abzulegen, sich gute Vorsätze zu geben, die zumeist schnell vergessen oder nach einigen Wochen wieder aufgegeben werden.

Warum funktioniert das nicht? Offensichtlich sind Silvester und Neujahr keine Ereignisse, die prägende Wirkung auf uns entfalten. Der Kern des Ganzen ist im Grunde genommen nur eine Party mit Böllern und Feuerwerk. Die Kinder dürfen mit bis Mitternacht aufbleiben, wenn sie älter sind vielleicht auch mal am Sekt nippen und man wünscht sich alles Gute fürs Neue Jahr. Den nächsten Tag kuriert man dann die Folgen der Party aus, fertig aus, ende. Unsere moderne, säkulare Lebensweise macht aus einem Fest, dem in einigen Religionen eine hohe Bedeutung zukommt, ein reines – je nach Kontext unterschiedlich kultiviert gestaltetes – Besäufnis. Wie soll man daraus Kraft und Ehrgeiz für positive Veränderungen ziehen?

Vielleicht ist der Jahreswechsel in vormodernen Gesellschaften ein wirkmächtigeres Ereignis. Wenn man auf den nächsten Frühling angewiesen ist, um nicht zu verhungern, den Beginn des neuen Jahres als Neuenstehung des Kosmos versteht und das subjektiv auch als eine Art spirituelle Wiedergeburt erlebt.

Sich an Silvester gute Vorsätze zu geben, ist für mich nur eine überflüssig gewordene Tradition. Ein Witz, ein Gesprächsthema für die Silvesternacht, wenn man sonst nichts zu reden hat. Vielleicht waren die guten Vorsätze zu einer Zeit, als der Jahreswechsel innerlich noch intensiver wahrgenommen wurde, von nachhaltigerer Wirkung. Aber man sollte die Trägheit und die kleinen Schwächen des Menschen nicht unterschätzen und in dieser Hinsicht waren unsere Vorfahren vermutlich nicht besser als wir heute.

Ich für meinen Teil verbinde mit Silvester nichts Besonderes, nur das weiter oben bereits Genannte. Für wirkliche Änderungen in meinem Leben benötige etwas einschneidenderes. Das muss nicht dramatisch sein, aber ich brauche ein Ereignis, das mich zum nachdenken darüber bringt, ob ich ernsthaft Dieses oder Jenes ändern möchte. Nur dann habe ich auch ein wirkliches Interesse daran, Dinge anders anzugehen und etwas Neues zu beginnen.

Also lasst das mit ein Vorsätzen einfach sein und genießt die Party! Das neue Jahr wird auch so schon schwer genug.

Gute Vorsätze

http://www.erfolgsziele.com/