Eingeschneit

Mit seinem achten Film hat Quentin Tarantino endgültig einen Status in Hollywood erreicht, der einzigartig ist. Nach rund drei Stunden Laufzeit der 70mm Fassung – die reguläre Kinoversion ist ein wenig kürzer – kommt man zu dem Schluss, dass der Filmemacher sich wohl alles erlauben kann. Er nutzt seine Freiheit, die ihm nicht zuletzt Miramax und das hervorragende Einspielergebnis von »Django Unchained« bescheren, um seine Leidenschaft für die Filmgeschichte konsequent auszuleben. Er gräbt ein längst vergessenes Filmformat aus, zelebriert die Auferstehung des Westerngenres und angelt sich dafür seine Wunschbesetzung vom hervorragenden Ensemble, bis hin zu Kamera und Musik. Mit diesen Mitteln inszenierte er ein zweieinhalbstündiges Kammerspiel, um es dann im letzten Akt richtig krachen zu lassen. Die Geschichte beginnt im tiefen Schnee. Auf der Reise nach Red Rock sammeln John »The Hangman« Ruth und sein treuer Kutscher O.B. den ehemaligen Nordstaaten Major Marquis Warren und den zukünftigen Sheriff Chris Mannix auf. Ruths Fracht ist heikel: er transportiert die berüchtigte Daisy Domergue zum Galgen. Wegen eines herannahenden Schneesturms müssen die fünf allerdings einen Zwischenstopp in Minnies Kleinwarenladen einlegen, wo sie von vier sinistren Gestalten erwartet werden: dem Mexikaner Bob, dem schweigsamen Cowboy Joe Gage, dem Konföderierten-General Sandford Smithers und dem Henker Oswaldo Mobray. Recht schnell stellt sich heraus, dass mindestens einer von ihnen nicht der ist, der er vorgibt zu sein und ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel mit geschliffenen Dialogen entspinnt sich. Dabei ist es wie gewohnt ein Fest, den Ausführungen der Figuren zu lauschen, die Tarantino auf diesem engen Raum konzentriert. Im Grunde sind diese drei höchst kurzweiligen Stunden die Essenz seiner vorherigen Filme. Ennio Morricone legt ein packendes musikalisches Fundament darunter und darf sich auf den ersten Oscar in seiner über fünfzig Jahre dauernden Karriere freuen.

The Hateful Eight

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