Unsere Datenschutzrichtlinien haben sich geändert. Die aktuelle Version finden Sie hier

We have updated our privacy terms. Please review the current version here

Diese Website nutzt Cookies um Inhalte zu personalisieren, Zugriffe zu analysieren und Dir ein optimales Nutzungserlebnis zu ermöglichen. mehr erfahren

This website uses cookies to personalize contents, track site usage and ensure you get the best experience on our website. learn more

Einmal top und einmal Flop

Einmal komme ich noch zurück auf die Grande Dame:
Von Nöstlingers bisher ca. 150 Werken habe ich 101 gelesen, ich hab sie gezählt. (Mir fehlt übrigens noch „Der liebe Herr Teufel“, ein Buch, das mir meine zeitweise sehr gottesfürchtige Oma aus moralischen Gründen nicht kaufen wollte … Ich bekam dann, glaub ich, das Tagebuch der Anne Frank), das meiste davon als Kind. Es ist mir praktisch unmöglich, eine objektive Wertung über diese Werke abzugeben, da ich fast jedes einzelne von ihnen liebe. Christine Nöstlingers spezieller Stil und ihr anfangs oftmals kritisierter wienerisch-lustvoller Sprachduktus zieht sich durch Bücher, egal ob sie über fiktive Romanfiguren schreibt, die wie 7, 17 oder 67 Jahre alt sind, oder ob sie über sich selbst schreibt.

Auf zwei der Bücher, die am meisten Eindruck bei mir hinterlassen haben (sowohl positiv als auch negativ) möchte ich hier kurz eingehen:

„Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“:
Eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Eine wirklich etwas irre Geschichte über eine kinderlose unkonventionelle Dame, die für ihr Leben gerne Dinge bestellt und fälschlicherweise statt einer Riesenbüchse mit Corned Beef ein perfektes Kind geliefert bekommt. Die Nöstlinger beschäftigt sich hierbei nicht mit „Kinkerlitzchen“ wie damit, woher Konrad genau kommt, in welcher Zeit diese Geschichte wohl spielt oder ob das alles überhaupt so möglich ist. Es geht um eine Dame, die sich langsam an das Leben mit dem Kind gewöhnt, obwohl sie seine perfekte Ausführung manchmal rasend macht. Als das Unternehmen die Fehllieferung bemerkt und das „Instant-Kind“ zurückfordert, kämpft sie um ihren perfekten Sohn. Herrlich, skurril, seltsam, liebevoll und witzig ist dieser Roman und er zeigt meiner Meinung nach die wahre Größe der Nöstlinger.

„Stundenplan“:
Die Geschichte ist eigentlich eine Nöstlinger-typische: Anika ist 14, ein bisschen aufmüpfig, versucht regelmäßig, die Turnstunde zu umgehen und legt keinen großen Wert auf gute Noten. Obwohl Anika so einige Verehrer hat, hat sie nur Augen für Wolfgang, der aber mittlerweile schon mit einer anderen „geht“. Anika hat nervige Eltern, blöde und nicht so blöde Lehrer, Freunde, sitzt gern im Kaffeehaus und raucht (ach, ich liebe die Teenager in Nöstlingers Romanen!).
Trotzdem macht einem der Stil, in dem das Buch geschrieben ist, wirklich Kopfzerbrechen. Nöstlinger wechselt völlig unvermutet und ohne erkennbare Motive zwischen Präsens und Präteritum und schreibt teilweise in extrem kurzen und aufeinanderfolgenden Häuptsätzen, dann wieder sehr blumig und ausschweifend. Manchmal wirkt es wieder wie ein Telegrammstil und fast schon modern-lyrisch. Kurz: Es ist ein Kauderwelsch.
Ich bin zwar absolut überzeugt davon, dass die Nöstlinger ganz genau weiß, wieso sie diesen Stil wählt und das Leben der 14-Jährigen bewusst in einem so wilden Stil beschreibt. Man könnte dieser Frau, die ganz genau mit Worten umzugehen weiß, niemals unterstellen, dass sie nicht wüsste, was sie tut. Aber trotzdem: Bei einer ihrer treusten Leserinnen kommt jedenfalls nicht an, was ihre Intentionen sind und das Lesen dieses Romans gestaltet sich einfach mühsam.

Christine Nöstlinger