Emoji - das (Un-)Wort des Jahres

Die "Oxford Dictionaries“ haben offiziell das Emoji "Gesicht mit Freudentränen“ zum englischen Wort des Jahres 2015. gekürt.

Aber ein Emoji ist gar kein Wort, deshalb im wahrsten Sinne es Wortes ein Un-Wort. Es kann logischerweise also gar nicht das "Wort des Jahres" sein. Deshalb halte ich die Wahl für ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Genauso gut könnte man auch ein Satzzeichen zum Wort des Jahres erklären.

Das Bedürfnis, in (privaten) Nachrichten ein Gefühl auszudrücken, dass das geschriebene Wort schlecht vermitteln kann, scheint sehr dringlich zu sein. Man sagt „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Ein Emoji ist ja ein kleines Bildchen - also sagt es dann vielleicht wenigstens hundert Worte?

Aus seinen Experimenten schloss der amerikanischen Psychologe und Kommunikationsforscher Albert Mehrabian, dass Kommunikation nur zu 7 Prozent aus Worten, zu 38 Prozent aus der Stimme und zu 55 Prozent aus Körpersprache besteht. Es fehlt also dem geschriebenen Wort etwas Entscheidendes - die Emotion. Man kann nur mit einem geringen Anteil in einem Text rüberbringen, wie etwas gemeint ist. Geschriebene Worte können so auch schnell fehlinterpretiert werden.

So wurde versucht, Gefühls-Wörter wie " grins, bäh, freu, grrr“ usw., hinzuzufügen, um die fehlenden Emotionen auszudrücken, die im Gespräch selbstverständlich und unbewusst mit der Körpersprache und der Stimme vermittelt werden. Später hat man Smileys aller Art mit Satzzeichen konstruiert wie z.B: :-( ;-) oder :-/

Die moderne Kommunikation mit Smartphones macht das jetzt noch schneller und bequemer mit Emojis. Das erinnert mich irgendwie an fastfood.

Ich gebe zu, auch ich benutze sie schon mal in WhatsApp für eine schnelle Nachricht. Wenn ich aber Emotionen ausdrücken will, dann rufe ich lieber an (da ist dann zumindest die Stimme beteiligt), oder gehe mit dem/der EmpfängerIN slowfood essen oder schreibe sogar ganz altmodisch einen handschriftichen Brief, den ich auch schon mal mit einer Blume oder Herzchen bemale. Das ist ja heute nun jedermann/frau, auch bei mangelndem Talent, auf dem Handy mit Emojis möglich.

Das betrifft aber nur persönliche Nachrichten, nicht offizielle, amtliche oder gar rechtlich relevante. Da sollte man ja auch nicht unbedingt seine Gefühle preisgeben. Insofern habe ich nicht die Befürchtung, dass sich Emojis in seriösen Zeitungen durchsetzen. Hoffentlich auch nicht hier auf whicee, da könnte ich ja gleich zu Facebook gehen. :-/ (tschuldigung)

MEIN (UN-)WORT DES JAHRES