Es geht nicht um Helmut Schmidt

Aus der Antwort zu meinem Post muss ich davon ausgehen, dass Fredy meinen vorangegangen, lediglich überflogen hat. Anders erklären sich die Vorwürfe gegenüber mir nicht so richtig. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich mich zu kompliziert ausgedrückt habe. Daher möchte ich gerne noch einmal genauer auf ein paar Punkte eingehen.
Meine Kritik war, wie aus meiner Einleitung ersichtlich, ist nicht auf die Person Helmut Schmidt allein bezogen, jedoch gerade in den letzten Tagen sehr aktuell und eben ein Paradebeispiel für ermüdende und heuchlerische Berichterstattung, die uns tagtäglich umgibt. Falls es also so rübergekommen ist, dass ich mich mit meinem Post allein gegen Helmut Schmidt richte, dann habe ich mich eventuell in dieser Hinsicht unverständlich ausgedrückt. Ich hielt es für selbstverständlich, dass dies ganze auf viele Situationen, gerade in Bezug auf unsere Medien, übertragbar ist.
Ebenso toleriere ich andere Meinungen und Interessen, solange diese nicht versucht werden mir aufzuzwingen. Weder möchte ich eine Meinung aufgezwungen bekommen, aber noch viel weniger möchte ich das Interesse an etwas aufgezwungen bekommen, denn dies kann ich wirklich nicht tolerieren.

Ebenso habe ich nicht die Gesellschaft kritisiert, dass sie nicht wirklich um Helmut Schmidt trauert. Ich habe die Medien und allen voran unsere Volksvertreter kritisiert, dass diese immer und immer wieder behaupten, das Volk würde trauern, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Ich habe nicht behauptet, dass das deutsche Volk selbst behauptet, es würde trauern, obwohl es dies nicht tut.
Ich habe auch nicht gesagt, dass ich kein Verständnis für diejenigen habe, die um H.S. trauern wenn es dafür wirklich Gründe gibt. Aber die, die wirklich trauern, verlangen wohl kaum von ihrem Umfeld gefälligst mit zu trauern. Ich tue dies wie schon erwähnt auch nicht und verlange, dass man dies von mir ebenso wenig verlangt.
In meinem Post beurteile ich Politiker nicht nach ihren Eigenschaften und Gesten, sondern ich weise lediglich drauf hin, dass man mit Helmut Schmidt eben nichts Einschneidendes verbinden kann und auch nichts Richtungsweisendes. Dies wird von Fredy auch nicht entkräftet, da sein Titel zwar lautet, dass Helmut Schmidt wohl ein großer gewesen sei, aber mit keinem Wort erwähnt weshalb und was er denn getan hat, was ihn so groß macht. Außerdem habe ich darauf hin gewiesen, dass ich die Wertung der Gesten und Eigenschaften der anderen Kanzler völlig außer acht lassen möchte. Es ging mir, wie gesagt, lediglich darum aufzuzeigen, dass man mit anderen Kanzlern eben mehr verbindet, als das, in Deutschland untersagte, Rauchen in Talkshows.
Ebenso muss der Tod für mich nicht zwangsweise spektakulär sein, um berichtenswert zu sein. Diese Unterstellung grenzt an eine Unverschämtheit und zeigt mir deutlich, dass mein Bericht von Fredy nicht vollständig gelesen oder lediglich überflogen wurde. Ich erwähne das Beispiel des Musikers, der verstirbt und was für mich sehr wohl berichtenswert ist, aber nicht in einem völlig utopischen Ausmaß, wie bei Herrn Schmidt der Fall. Und auch nicht mit der Forderung, dass ein jeder nun betroffen sein muss, wie im Falle von diesem Ex-Kanzler der Fall. Wenn ein Künstler, der einer Gruppe von Menschen etwas gegeben hat mit 45 stirbt ist es auch eine andere Nummer, als wenn dieser mit 97 den Löffel abgibt. Daher auch eher einer detaillierten Berichterstattung wert. Mal im Ernst, Helmut Schmidt war 97 warum haut der Tod dann angeblich so viele vom Hocker? Das ist doch einfach bloß geheuchelt und die Betroffenheit nicht echt. Und dies soll mir dann auch noch aufgezwungen werden. Und genau das ist ja mein Kernproblem. Fredy behauptet, dass dies niemandem aufgezwungen wird. Aber wenn man nicht in einer Höhle lebt, dann wird man damit zugemüllt wo es nur geht und dabei lese ich weder Zeitung, noch schaue ich Fernsehen. Auch im Netz filtere ich meine Infos raus und mir steht es trotzdem bis sonst wo. Also kann gar keine Rede davon sein, dass niemand dazu gezwungen wird sich mit Helmut Schmidt auseinander zu setzen. Das Gegenteil ist der Fall.
Klar kann ich nachlesen, was er getan hat, aber genau das war ein weiterer Punkt meines Eingangsposts. Wenn denn so große Reden über den Mann geschwungen werden, warum hört man dann kein Wort davon, warum er denn so toll gewesen ist und warum dieses ganze Aufheben um sein Ableben gemacht wird? Der einzige Grund ist doch, dass er Kanzler war und es sich jetzt halt so gehört. Außerdem hat das deutsche Volk in diesen Tagen dann wenigstens auch ein dramatisches Schicksal und nicht nur die Franzosen.

Um es noch einmal zusammen zu fassen: Unsere Politiker und Medien müllen uns Tag für Tag mit Dingen zu, die völlig irrelevant für unser Leben sind, um uns von den Dingen abzulenken, die unserer Aufmerksamkeit bedürfen. Wir sollen zur EM und WM Fußball schauen, dann können wichtige Entscheidungen unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit beschlossen werden und wenn dann mal wieder ein Politiker stirbt, dann ist das auch eine wunderbare Gelegenheit, das Volk vom aktuellen Weltkrieg abzulenken. "Gebt dem Volk Brot und Spiele" - und die dummen Spielen eben mit.

Darauf wollte ich mit meinem Post hinaus und ich hoffe, dass dies so verständlich wurde und ich bitte nicht nur darum meine Ignoranz zu tolerieren, sondern bitte auch meine Einträge richtig zu lesen und gegebenenfalls nachzufragen, denn gegen Unterstellungen und Falschbehauptungen reagiere ich allergisch.

Zum Thema Arbeitskollegen und die Bitte deren Kommentare abzustellen - es ist nicht das Problem, dass sie mit mir darüber sprechen, sondern eben dass sie darüber sprechen, denn dadurch bekommt man automatisch immer mehr davon mit. Ich müsste also zuvor den Raum verlassen und dann wäre es mir wohl auch nicht mehr möglich meine Arbeit zu tun. Und ich kann sie schlecht darum bitten, nicht mehr darüber zu reden, denn das ist ihr gutes Recht. Würden die Medien aber nicht in Dauerschleife darüber berichten, dann wäre es unter meinen Kollegen auch nur eine kurze Randnotiz und damit wäre es erledigt. Dadurch, dass es immer so aufgebauscht wird, meinen viele jedoch, dass es wichtig sei und man darüber reden müsse - das lenkt sie dann auch ab.

Gebt dem Volk Brot und Spiele!

Helmut Schmidt