Festivalmanie – Musik oder Event?

Sommerzeit ist Festivalzeit und das Festivalformat scheint erfolgreich zu sein. Unzählige, immer größer werdende, weit im Voraus ausverkaufte Festivals bestimmen die wärmere Jahreszeit. Auch und grade in der „Underground Dance“ Szene ist das auffällig. Fusion, Melt, Nachtdigital, Sonar, Awakenings, Sunwaves, Weather Festival, Dekmantel; House und Techno spielen dort eine große Rolle oder sogar die Hauptrolle. Eine Fülle namhafter Acts in kurzer Zeit und an einem Ort, Musik pur und massig, das ist doch ein Traum für jeden Musikliebhaber! Oder nicht? Nein, Festivals üben auf mich keine Anziehungskraft aus, aber warum ist das so, warum reizt mich dieses Setting nicht?
Vielleicht weil es bei den meisten Festivals gar nicht so sehr um das augenscheinlich Zentrale geht, gar nicht so sehr um die Musik selbst, sondern der Eventcharakter der Veranstaltungen im Vordergrund steht. Große Namen, kurze Sets, Sponsoren, eine riesiges Publikum, die Gewinnmargen sind wahrscheinlich unvergleichbar mit denen kleiner Clubnächte und das ist für die Veranstalter womöglich wichtiger als das musikalische Programm. Auch für das Publikum scheint mir in den meisten Fällen das Event an sich bedeutender zu sein als der einzelne Musiker. Und die Musiker selbst? Sie freuen sich über höhere Festivalgagen und sind dann auch bereit eigene musikalische Ansprüche zurückzuschrauben und sich dem Publikum anzupassen. Das ist alles legitim und nachvollziehbar, entspricht aber nicht meinem Verständnis von „Underground Dance Music“. Sicherlich gibt es auch Festivals, die einen anderen, höheren Anspruch haben (Labyrinth, Freerotation), aber es sind Ausnahmen. In der Masse der Festivals spielt die Musik eine untergeordnete Rolle, das Event ist das Medium und die Message, es geht um ein Spektakel. Welche langfristige Wirkung hat diese Ausrichtung aber insgesamt auf die Clubkultur?

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