Flucht ins Ungewisse

Kino brandaktuell: während die Nachrichten beherrscht sind von Flüchtlingsströmen in die Festung Europa, schildert der italienische Regisseur Jonas Carpignano die Flucht zweier Männer aus Burkina Faso in ein vermeintlich besseres Leben in Italien. Doch die Überfahrt wird zum Albtraum, von dem es auch an ihrem Ziel im Süden Italiens, kein Erwachen gibt, denn auf dem Festland erwartet sie ein rassistischer Mob. Jonas Carpignano verarbeitete bereits in seinem vielfach preisgekrönten Kurzfilm »A Chjànaq« die Vorfälle in Rosarno von 2010, als es in seiner Heimatstadt in Kalabrien zu Unruhen zwischen Einheimischen und Migranten kam, bei denen 67 Menschen verletzt wurden und tausende Flüchtlinge umgesiedelt werden mussten. In seinem ersten Langfilm »Mediterranea« schildert Carpignano im Stil eines Dokumentarfilms und mit schonungslosem Realismus die Ereignisse. Auch wenn sie bereits fünf Jahre zurück liegen, wirkt der Film aktueller denn je. Die Darsteller sind zumeist Vertriebene, die selbst Opfer von rassistischen Übergriffen wurden und ihre Erfahrungen in den Film einfließen ließen. Koudous Seihon ist als Ayiva Stellvertreter für die Erfahrungen und das Leid Hunderttausender. Auch wenn die Dramaturgie vor allem in der zweiten Hälfte Struktur vermissen lässt, ist der filmische Auftakt ein intensiver, realistischer Einblick in die traumatischen Erlebnisse vieler Flüchtlinge, die man nach diesem Film vielleicht mit anderen Augen betrachtet.

Mediterranea

https://www.youtube.com/watch?v=l1UJ5ecjM3w