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Für und gegen die Fab Four.

Natürlich war auch ich in meiner zarten Kindheit ein grosser, riesengrosser, unsterblicher Beatles-Fan. Es waren die 1970er-Jahre, und die ganze Beatles –Historie war schon auf Schallplatte erhältlich. Home Taping hat schon damals übrigens nicht die Musik-Industrie gekillt: Meine Cousins hatten alle Beatles-Releases auf Kassetten, die von anderen Kassetten kopiert waren, die wiederum ich mir auf Kassetten kopiert habe. So wuchsen also die Beatles quasi nochmals von vorne mit mir mit – zuerst „Love me Do“ heimlich unter der Bettdecke, später dann „Help“, „A Hard Days Night“ beim Legospielen. Erste psychedelische Einheitserfahrungen (damals garantiert drogenfrei) mit „Strawberry Fields Forever“, „Lucy In The Sky With Diamonds“; erste unerwiderte Liebe & Schmachten mit „Hey Jude“ „All You Need Is Love“, „Across The Universe“ und „The Long And Winding Road“ (damals nur in den von Phil Spector volles Rohr mit Streichern zugekleisterten Versionen; „Naked“ wurde das alles erst viel später herausgebracht). Ein paar Jahre später wiederum war die Anhimmelei für die „Fab Four“ aber wieder vorbei: meine Cousins fanden die Rolling Stones viel cooler, und ich daraufhin natürlich auch; wieder wurden Kassetten von Kassetten von Kassetten kopiert, und angehimmelt wurde jetzt Brian Jones, der in Sèancen (oder was man damals dafür hielt) beschworden wurde. Damals begann man auch mit ersten, stümperhaften Drogenerfahrungen, verwechselte Vogelfutter mit Hanfsamen, high davon wurden immer nur die Vögel. Und überhaupt war ich dann Fan von „The Who“, was seine Resonanz darin fand, dass ich anfing, vollkommen berauscht von einem oder zwei Bier in ungerichteter, pubertärer Wut auf irgendwelche Dinge einzutreten: Laternenpfähle, Plakatwände, Verkehrszeichen. Dies tat meinem Fuß mehr weh als den getretenen Gegenständen, also wurde ich Post-Hippie und hörte Krautrock (Lieblings-LP damals „Sweet Smoke“ mit „Just a Poke“) – und das in den 1980er-Jahren, als Falco vermutlich schon längst Kokain schnupfte und sich danach an nichts mehr erinnern konnte (oder wollte). In meinen späteren Lebensjahren fiel auch ich so wie unzählige andere Sentimentalisten auf der Welt immer wieder kurzen, aber ungehemmten Beatles-Phasen zum Opfer. Anlässe: Beatles auf CD, Beatles auf CD remastered, weil vorheriges Remaster Scheisse; sämtliche Beatles- Liebeslieder auf einer CD (Marketing-Frechheit!), Beatles Nr. 1-Hits auf CD, Beatles dann endgültig remastered von den Originalbändern in einer Monobox, in einer Stereobox und so weiter und so fort. Als ich mich dann auch noch durch ein mindestens 10 Stunden dauernde DVD-Anthology-Box gequält hatte, reichte es mir endgültig mit den Beatles. Mit ein Grund war auch diese schreckliche, zuckergussartige Geschichtsklitterung, welche die damals interviewten Ex-Beatles McCartney, Harrison und Starr betrieben – stundenlang glotzten sie naiv in die Kamera und plapperten gebütsmühlenartig vor sich hin, was für eine tolle Zeit sie doch gehabt hatten, wie sehr sie sich gegenseitig mochten, ja geradezu liebten (wie Brüder natürlich!) und sich noch immer respektieren würden. Dass die alternden Pilzköpfe ihre Vergangenheit als einflussreichste Band der Welt so krampfhaft schönredeten, fand ich, nachdem ich mich von der Gehirnwäsche der Beatles-Anthology wieder befreit hatte, einfach nur furchtbar. Es behauptet ja niemand, dass es immer nur wild und böse zugegangen sein muss hinter den Fab Four-Kulissen, aber ein bisschen hätte man wenigstens zum Beispiel dem Hass auf die Lennon-Witwe Yoko Ono nachgeben können (die talentfreie Künstlerin hatte ja, wie wir heute wissen, einen grossen Anteil am Split der Beatles), aber stattdessen ein schmalziges „Thank You“ bei den Endcredits jeder Anthology-DVD. Ein saftiges „Fuck You Bitch“ wäre vermutlich ehrlicher gewesen, ich vermute aber, dass die alte Hexe (die ja immer eine blitzgescheite Geschäftemacherin war, was man ihr keinesfalls ansah) sämtliche Rechte an Lennon-Dokumaterial besitzt, also konnte man vermutlich gar nicht anders, als sich ständig bei ihr zu bedanken und die längst überfällige Kritik einfach mit britischer Höflichkeit (falls es sowas wirklich gibt) zu übergehen.

Beatles