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Geheimnis der Kindheit

Ständig leide ich unter hemmungslosen Nostalgieanfällen. Weil eben die Leseerlebnisse meiner Kindheit die schönsten und intensivsten in meinem Leben überhaupt waren. Nichts, ich wiederhole, gar nichts kommt jemals wieder an dieses erste Entdecken und Herumwandern in virtuellen Welten heran. Ich glaube, dass hier überhaupt der Grund dafür liegt, dass sich erwachsene Menschen so gerne in kindliche Welten begeben, sei es als Modelleisenbahner, Modellbauer, Sammler von Barbiepuppen oder eben als begeisterte Leser von eigentlich an Kinder und Jugendliche gerichteter Literatur: Es ist die ewige Suche nach dem Urerlebnis, das man in seiner Intensität später nur mehr nachempfinden kann. Aber selbst diese Imitation reicht als Triebfeder für ein ganzes Leben voll hingebungsvoller Beschäftigung mit vorpubertären Dimensionen aus. Das also ist ein Teil des großen Geheimnisses der Kindheit. Ein anderer Teil ist nicht so schön, gehört aber ebenso dazu: Das Grauen wird in diesen Jahren extrem intensiv empfunden. Dieses “Grauen” kann sich in eingebildeten Geistern oder Mördern unter dem Bett manifestieren oder sonstigen Schreckgestalten, Nachtmahren, denen das kindliche Gemüt noch keine intellektuelle Verarbeitung entgegensetzen kann; deswegen ist die Erfahrung des Grauens auch so intensiv, so unvergleichlich, so exquisit, könnte man im Nachhinein behaupten. Ein großer Teil der sogenannten “Coming-of-Age”-Literatur lebt genau von dieser unvergleichlichen Mischung aus dem kindlichen, direkten Empfinden von Schönheit und der ungebremsten Konfrontation mit eingebildetem Grauen, das sich später durchaus als nur allzu real herausstellen kann.

Kindheit

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