Glücklich, aber irgendwie auch unvermeidlich...

Nach einem Tag mit ziemlicher mieser Laune (begleitet von einem heftigen Kater) fühle ich mich nun endlich in der Lage einen Blick auf das gestrige EM-Halbfinale Frankreich - Deutschland zu werfen. Es wird heute viel darüber geschrieben, wie unglücklich die Niederlage angesichts der deutschen Überlegenheit über weite Strecken der Partie zustande kam. Ich sage: Unglücklich Ja, aber irgendwie doch unvermeidlich. Angesichts des arg geschwächten Kaders, mit dem die deutsche Elf schon zum Turnier angereist ist (Reus und Gündogan verletzt, Schweinsteiger angeschlagen, Rüdiger kurzfristig ausgefallen usw.), war mir klar, dass es beim ersten Aufeinandertreffen mit einem Weltklasse-Gegner wie Frankreich darauf ankommt, wie eingespielt das Team ist und wie viel Routine die Spieler schon mit sich bringen. Nun kam dazu, dass vor dem Spiel gegen Frankreich mit Sami Khedira, Mario Gomez und Mats Hummels genau 3 drei der erfahrensten und leistungsstärksten Spieler bisher im Turnier zusätzlich ausfielen. Entsprechend gestaltete sich der Spielverlauf. Die deutsche Mannschaft war zwar sehr bemüht, rannte unter großem Krafteinsatz immer wieder an und drängte auf das Führungstor. Doch immer wieder kam es zu Missverständnissen oder leichten Abspielfehlern und viel zu selten kam der letzte Pass zum Mitspieler vor dem Tor. Die Junge deutsche Abwehr wirkte unsicher, verursachte leichtfertig die Ecke, die zum Handspiel von Schweinsteiger zum Elfmeter für Frankreich führte. Diesen gab es dann auch noch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt eines jeden Spiels in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.
Zu Beginn der zweiten Hälfte gab es immer noch Hoffnung, da die deutsche Mannschaft wieder mutig auf das Ausgleichstor drängte. Diese Spielweise machte die deutschen zwar anfälliger für Konter, aus dem Spiel heraus ging für Frankreich dennoch nichts und wenn es hart auf hart kam, war Manuel Neuer wie immer zur Stelle.
Als in der 61. Minute dann aber Jerome Boateng verletzt vom Platz getragen werden musste, war dies der eine Rückschlag zu viel, den das deutsche Spiel nicht mehr verkraften konnte. Nur kurz danach kamen die Franzosen durch eine Kette von Absprachefehlern und Unsicherheiten in der Abwehr gegen einen schon am Boden liegenden Neuer zum entscheidenden 2:0. Danach war das Deutsche Spiel wie gelähmt und die Franzosen spulten ihr Programm ab; Clever und abgebrüht.
Mein Fazit: Es brauchte einem französischen Kader in absoluter Bestbesetzung und Hochform, zwei individuelle Fehler, einen vor dem Tor eiskalten Griezmann und 40.000 französische Fans, die jedes mal ein gellendes Pfeifkonzert starteten sobald sich ein deutscher Spieler am Ball befand, um eine ramponierte deutsche Notelf zu bezwingen. Der Sieg der Franzosen war glücklich, aber irgendwie auch unvermeidlich. Sie haben nun für mich auch den EM-Titel verdient, denn sie haben im Gegensatz zu Portugal (mit der Ein-Mann-Goldenen-Generation Namens Christiano Ronaldo) einfach eine grandiose MANNSCHAFT. Von daher heißt es für mich ab jetzt: Allez le Bleu!

EM-Spiel Frankreich gegen Deutschland, Fußball Europameisterschaft 2016

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