Grammar Nazis, die den Deutschkurs nochmal belegen sollten

Ich hab mich hier ja schon ausführlich darüber ausgelassen, wie sehr ich mich als Fanatikerin zusammenreißen muss, um andere Leute nicht dauernd ungefragt auf ihre Fehler hinzuweisen.
Und ich bekomme das eigentlich ganz gut hin. Denn werde ich nicht gefragt, geht es mich auch nichts an, ob jemand etwas falsch schreibt. Ich habe gelernt, dass nicht jedem die kleinen Fehler auffallen, dass nicht jeder es als so schlimm empfindet, wenn mal ein Komma fehlt.

Es gibt aber eine Situation, bei der der Grammar Nazi aus mir herausbricht wie das Spielzeug aus dem Überraschungsei meiner kleinen Nichte. die als Eineinhalbjährige noch lieber Gewalt statt Fingerspitzengefühl anwendet: Wenn Leute andere Leute ungefragt verbessern und dabei nicht im Recht sind.
DAS. IST. NICHT. AUSZUHALTEN.

Gestern las ich in einer Gruppe, die sich mit schlimmen Formulierungen in Werbungstexten beschäftigt, ein Posting. Der Poster regte sich darüber auf, dass in folgendem Satz ein Beistrich fehlen würde: "Das immer weiter expandierende und erfolgreiche Unternehmen in Berlin-Mitte stellt ab sofort Grafikdesigner ein!"
Seiner Meinung nach wäre ein Beistrich nach "Berlin-Mitte" zwingend notwendig und mehr noch: Er fragte, warum man sich denn bei einem Unternehmen bewerben sollte, das so einen Fehler in der Stellenausschreibung hat: "Wieso sollte ich mich bei der Stelle bewerben, wenn jene nicht mal in der Lage sind die Kommasetzung richtig anzuwenden?"

Ja, ich finde manche Fehler lustig und sammle sie geradezu. Und fände ich in einer Stellenausschreibung für Lektoren einen Fehler, wäre das natürlich einfach witzig. Aber abgesehen davon, dass der Poster einfach falsch lag UND noch dazu selbst einen Kommafehler machte ("wenn jene nicht einmal in der Lage sind(,) die Kommasetzung richtig anzuwenden"), finde ich es einfach lächerlich, von der Kommasetzung in einer Stellenausschreibung auf die Qualität der Jobs oder der Mitarbeiter schließen zu wollen.

Wie beschrieben, platzte der Grammar Nazi aus mir heraus und ich fühlte mich wie Bruce Banner, der schön langsam so ein grünes Gefühl bekommt. In solchen Situationen gibt es aber in mir trotzdem noch eine Instanz, die mir sagt: "Sei freundlich, es ist schlimm genug, so falsch zu liegen und auch noch darauf hingewiesen zu werden."
Also schrieb ich "Hier fehlt definitiv kein Komma, jedoch hast du in deiner Erklärung einen Kommafehler gemacht und eines vergessen."

Die Antworte folgte sofort: "Oh man, so genau müssen es wirklich nicht sein xD"
Ich meinte: "Naja, wer selbst bei der Fehlersuche kleinlich ist, muss es auch aushalten, wenn der Gegenwind kleinlich ist und du liegst nun mal falsch, darauf hab ich dich nur hingewiesen."
Antwort: "Heiliges Kanonenrohr... Irgendwie im Büro tätig? Meine Güte, ich meine so extrem muss es echt sein. Klingst echt als wärst du eine Lehrkraft oder irgendwie im Büro tätig."

Es gibt Situationen, die kann man nur mehr mit dem Wort "facepalm" beschreiben.

Rechtschreibfehler