Großkonzerne

Vorweg: Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute über Dinge schreiben, von denen sie nichts verstehen, wenn sie Begriffe benutzen, deren Inhalte sie fehlerhaft widergeben. Ganz besonders regt es mich auf, wenn ich dies bei Journalisten feststellen muss, da die Mehrheit ihrer Leser, Hörer oder Zuseher die Ergüsse wegen fehlenden Hintergrundwissens unreflektiert konsumiert und häufig auch noch inbrünstig verbreitet.

Ein Beispiel, das mich immer wieder auf die Palme bringt, ist das Wort "Großkonzerne", das insbesondere im Linkspopulismus als immer gern genommenes Feindbild der höchsten Kategorie herhalten muss. Fangen wir mal eine Stufe niedriger an: Was ist ein Konzern? Nach der Legaldefinition des § 18 AktG bilden abhängige Unternehmen, die unter der einheitlichen Leitung eines beherrschenden Unternehmens stehen, mit diesem einen Konzern. Nach § 290 HGB ist ein Konzern gegeben, wenn ein Unternehmen auf ein anderes Unternehmen einen beherrschenden Einfluss ausüben kann. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Konzern ist ein Unternehmensverbund, bei dem ein Unternehmen (Mutterunternehmen, Holding) an einem oder mehreren Unternehmen (Tochterunternehmen) in der Regel mit Mehrheit beteiligt ist und daher bei diesen "das Sagen hat". Als Großkonzern, für den es keine Legaldefinition gibt, könnte man dann einen Konzern mit ganz, ganz vielen Unternehmen bezeichnen.

In den letzten Jahren hat sich in Teilen der öffentlichen Meinung ein Konzernbegriff dergestalt entwickelt, dass damit ein großes Unternehmen (Großunternehmen) gemeint ist. Großkonzerne wären demnach große Großunternehmen oder Großgroßunternehmen, ein Wort genauso sinnig wie Rotrotkehlchen - ein Unwort eben.

Die Gleichsetzung Konzern mit Großunternehmen ist im Übrigen schon deshalb Unsinn, weil ein Konzern - im Gegensatz zu den ihn bildenden Unternehmen - keine juristische Person und somit per se auch nicht handlungsfähig ist. Ein Satz "Konzerne verschieben Gewinne, um Steuern zu sparen" ist daher Quatsch, mal abgesehen davon, dass es in Deutschland gar keine Konzernbesteuerung gibt.

Dass es z.B. im Bereich der Besteuerung von internationalen Unternehmen Ungereimtheiten und Schlupflöcher gibt, ist ja nicht von der Hand zu weisen. Wer hier aber in Ernst zu nehmender Weise Abhilfe schaffen will, muss schon genau wissen, worüber er spricht. Wer aber "Großkonzerne" sagt, zeigt bereits beim Grundlagenwissen deutlichen Nachholbedarf und wird daher in der ernsthaften Diskussion nicht als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert werden können. Was in dem einen oder anderen Fall durchaus schade sein könnte.

MEIN (UN-)WORT DES JAHRES

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