Gute Nacht, Freund*innen! - Und ein letzter Appell.

An dieser Stelle möchte ich mich nach langem Überlegen aus dieser Debatte verabschieden. Von meiner Seite aus wurde nach dem folgenden Beitrag alles gesagt, was es zu sagen gab, und ich möchte mich hier wieder anderen Themen zuwenden, über die ich mich lieber auslasse und von denen ich (vielleicht) auch etwas mehr verstehe.

Normalerweise bin ich politisch nämlich nicht nennenswert engagiert, schon gar nicht, was z.B. Frauenrechte angeht. Ich traue Alice Schwarzer spätestens seit ihrer BILD-Werbekampagne nicht über den Weg, lese weder die EMMA noch feministische Literatur und beteilige mich i.d.R. nicht an Diskussionen zu den dort vertretenen Themen. Daher fehlt es mir, was das betrifft, vielleicht einfach an rhetorischer und methodischer Routine. Es kann also sein, dass ich in den Augen einiger polemisiert, provoziert oder populistisch argumentiert habe. Kann sein, dass ich nicht wissenschaftlich (genug) gearbeitet, dass ich wenig aussagekräftige Studien und Artikel zitiert und unzulässige Schlüsse gezogen habe.

Vielleicht habe ich Zynismus gesehen, wo er nicht intendiert war. Vielleicht meine eigene Perspektive überhöht, in unzulässiger Weise von mir auf andere geschlossen und das Problem „übertrieben“ dargestellt. Möglicherweise habe ich nicht genug Vertrauen gezeigt in ein Rechtssystem, das sexuelle Belästigung [1] für sich genommen nicht als strafrechtlich relevante Form von Gewalt anerkennt und als solche sanktioniert. Ja, vielleicht sollte ich mir auch einfach mal die Haare von den Zähnen rasieren und locker durch die Hose atmen, wie Stromberg sagen würde.

Ich traue jedem und jeder hier zu, sich darüber und über die in meinen vorigen Kommentaren zum Thema dargelegte Problematik ein eigenes Urteil zu bilden – mit allen zur Verfügung stehenden Methoden und Erkenntnisquellen – und diese wichtige Debatte konstruktiv weiterzuführen, denn dazu ist whicee gedacht.

Und nein, ich identifiziere mich nicht mit diesen Kreisen, die andere ohne triftigen Grund als Sexisten bezichtigen oder als xy-phob diffamieren (und habe es ja auch nicht getan). Tatsächlich wollte ich nicht, wie es das Klischee bei solchen Themen wohl nahezulegen scheint, blindwütig schnaubend angreifen, denn das führt zu nichts, sondern die Augen öffnen dafür, dass es in diesem Land einen gravierenden juristischen Missstand gibt, der Opfer sexueller Belästigung (und alle, die es irgendwann mal werden könnten) zugunsten von Täter*innen klar benachteiligt, was die Betroffenen im doppelten Sinne zu Opfern macht und für die Gesellschaft keinen Vorteil bringt. Ein Missstand, der (nicht nur) meiner Meinung nach dringend behoben werden muss, wenn wir wirklich in einem für alle gerechten System leben wollen, was ein Rechtsstaat ja im Idealfall sein sollte.

Vielleicht habe ich bei diesem Anliegen unverhältnismäßig scharfe Mittel gewählt und mich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Aber wenn der o.g. Problematik damit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, war es das wert. Und wenn es uns gelingt, am Ende eines emotional doch recht aufgeladenen Schlagabtauschs an einen Punkt zu kommen, wo konstruktive Gedanken und damit Veränderungen möglich werden, hat whicee für mich seinen Zweck erfüllt.

Gerade jetzt nach #koelnhbf stehen die Chancen für diese notwendigen Veränderungen vielleicht besser denn je. Einen guten Vorschlag dazu hat Dr. Hergen Albus in seinem Comment zum StarTag „Sexuelle Belästigung“ [2] gemacht. Wir als Gesellschaft, bestehend aus Frauen, Männern und allem * dazwischen, können von dieser längst überfälligen Änderung nur profitieren.



[1] Damit ist natürlich keinesfalls so etwas wie das Anstarren von Wampen am Strand, meinetwegen inkl. despektierlicher Bemerkungen, gemeint, sondern massive, körperliche und für die Betroffenen oft traumatische Übergriffe - wie z.B. Begrapschen und Bedrängen OHNE ANDERE FORMEN körperlicher (z.B. Schlagen, Würgen) oder verbaler Gewalt (z.B. in Form von Androhung des Ersteren). Der bekannte und zum Glück von vielen internalisierte Slogan „No means no“ ist dabei übrigens durch die deutsche Gesetzgebung NICHT fundiert...

[2] https://whicee.com/de/Sexuelle-Belaestigung-muss-Straftatbestand-werden

#kölnhbf

http://www.legal-gender-studies.de/sexuelle-uebergriffe-im-oeffentlichen-raum-rechtslage-und-reformbedarf#_edn8

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