Gutes besser machen - Was mache ich, wenn ich spenden will?

"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" - Wer kennt den Spruch nicht? Seit geraumer Zeit schlage ich mich mit den Gedanken herum, dass ich mich wieder mehr gemeinnützig engagieren sollte. Klar, gelegentlich spende ich Bücher oder Klamotten, shoppe in Charity-Shops, aber irgendwie fehlt es mir an der Konstante. Wo aber anfangen? Was macht eine gute Charity aus? Wer verdient mein Geld am meisten? Gibt es auf diese Fragen überhaupt eine Antwort?

Dabei stieß ich vor rund einer Woche auf eine Buchrezension im Guardian. Es ging um "Doing Good Better" von William MacAskill. MacAskill arbeitet zur Zeit als Postdoktorand an der Oxford Universität und beschäftigt sich mit Fragen zur angewandten Ethik. Er ist ebenfalls Mitbegründer der Bewegung "Effektiver Altruismus". Hier geht es vor allen Dingen darum, eigene Ressourcen wie Zeit und Geld optimal zu nutzen, um das Leben von möglichst vielen Menschen zu verbessern.

Wenn es ums Spenden geht, schlägt er vor, folgende Fragen zu berücksichtigen: Wie viele Menschenleben werden durch meine Spende verbessert? Wie hoch ist dabei die zu spendende Summe? Wie wird sich das Leben der Menschen verbessern?

Was MacAskill damit meint, wird schnell deutlich, wenn man die im Artikel genannten Beispiele liest. Da ist zum einen die Charity "Books for Africa", die vom ehemaligen UN-Sekretär Kofin Annan empfohlen wird. Die Organisation hat seit 1988 mehr als 33 Millionen Bücher in 49 unterschiedliche afrikanische Staaten verschickt. Bei den Büchern handelt es sich um Schulbücher und ähnlich bildungsrelevantes Material.

Klar denkt man sich nun, es kann doch nur gut sein, wenn mehr bildungsrelevantes Material Kindern in diesen Ländern kostenfrei zur Verfügung steht. Allerdings hat man wissenschaftlich belegen können, dass durch fehlendes Lehrertraining all diese Textbücher kaum Auswirkungen auf die Bildung der Kinder hat. En Fall von das Gegenteil von 'gut' ist 'gut gemeint' also? Was aber stattdessen tun?

MacAskill schlägt vor, es sei effektiver an eine Charity zu spenden, die Kinder entwurmt. Durch parasitäre Infektionen und mangelnder medizinischer Versorgung sind Kinder oftmals gezwungen, der Schule fernzubleiben, was dazu führen kann, dass diese Kinder erheblich in der Schule zurück fallen. Durch die Versorgung mit preisgünstiger und effektiver (Entwurmungs-)Medizin, konnte in Kenia Versäumnis von Unterricht um 25 % gesenkt werden. Zehn Jahre später stellte man ebenfalls fest, das Kinder, die entwurmt worden waren, im Schnitt 20 % mehr verdienten als Kinder, die nicht behandelt wurden.

Neugierig geworden, suchte ich nach mehr Material, das MacAskill veröffentlich hat und fand auf YouTube einen Clip, der ebenfalls für den Guardian abgedreht worden war. Darin argumentiert er, dass das Boykottieren von Sweatshops wenig Sinn macht, da Arbeiter*innen potentiell ihre einzige Einnahmequelle verlieren können und nicht schnell in einen besseren Job wechseln können. Als Antwort auf dieses Problem schlägt MacAskill vor, alle Energien auf die Abschaffung von Armut in diesen Ländern zu verwenden. Denn die Armut ist es, die es überhaupt möglich macht, dass Arbeit in Sweatshops als begehrenswert erscheint.

Ausserdem spricht der Philosoph sich im selben Video gegen das Fairtrade-Logo aus. Das Logo wird nur vergeben, wenn gewisse Standards eingehalten werden. Allerdings sind diese Standards für Produzenten aus den ärmsten Ländern der Welt kaum einzuhalten. Ausserdem erhält der Produkterzeuger nur einen kleinen Anteil des von Konsumenten ausgegebenen Geldes. MacAskill schlägt vor, stattdessen Konsumgüter ohne Fairtrade-Logo zu kaufen und das gesparte Geld an eine kosteneffektive Charity zu spenden.

Meine erste Reaktion auf diese Statements war Unglaube. Was jetzt, all das Gute, das wir tun wollen, soll eigentlich gar nicht gut sein? Sicherlich finden sich auch Argumente für den Sweatshop-Boykott oder das Fairtrade-Logo. Und warum nicht auch Bücher nach Afrika schicken?

Aktivist*innen könnten sich durch MacAskills Argumentation schnell auf den Schlips getreten fühlen. Es geht aber nicht darum, Aktivismus bloß zu stellen. Aktivismus trägt dazu bei, dringend benötigte soziale Veränderungen anzustoßen. Viel mehr geht es um die effektive Nutzung von begrenzten Ressourcen, die jeder von uns zur Verfügung hat. Bei jeglicher Investition, die wir tätigen, machen wir uns einen Kopf und suchen im Internet nach einschlägigen Testergebnissen. Warum sollten wir das also nicht auch machen, wenn wir uns gemeinnützig engagieren wollen? Ich werde noch ein paar mehr Stunden mit Recherche im Internet verbringen, mir das Buch von MacAskill kaufen oder leihen und dann entscheiden, was ich Gutes besser tun kann.

charity

http://www.theguardian.com/books/2015/aug/20/doing-good-better-william-macaskill-review

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